Thelma

Vom Einfluss des Tom Cruise auf das Abenteuerleben einer kalifornischen Greisin

Thelma (June Squibb) lebt ein komfortables kalifornisches Greisinnenleben. Sie ist über 90, muss regelmäßig eine ganze Batterie von Medikamenten nehmen, ihre Generation ist am Aussterben. Das herzlichste Verhältnis hat sie noch zu ihrem Enkel Daniel (Fred Hechinger). Die beiden sind ein wunderbar gegensätzliches Paar.

Thelma sollte immer so einen Ortungsknopf am Arm tragen. Sie ist fit im Internet. Tochter Gail (Parker Posey) und Schwiegersohn Alan (Clark Gregg) sind nicht ohne Verpflichtungsgefühl, aber sie stehen ja mitten im Leben. Die üblichen Vereinsamungserscheinungen im Leben alter Leute eben. So werden sie anfällig für die berühmt-berüchtigten Enkelanrufe.

Sehr schmerzhaft war das im rumänischen Film Eine Frage der Würde – Blag’s Lessons zu erleben. Im bestens hergestellten Süßspeisenkino à la Hollywood-Norm wirkt das bekömmlicher. Obwohl die Enkelstimme furchtbar entstellt ist, fällt Thelma drauf rein, schickt 10′ 000 Dollar an ein Postfach. Und kapiert erst, wie es zu spät ist. Vor der ganzen Familie fühlt sie sich schuldig. Da sie den Zettel mit der Postfachadresse weggeschmissen hat, kann auch die Polizei ihr nicht helfen.

Andererseits ist sie eine Bewunderin von Tom Cruise und seinen Stuntkünsten – und denkt sich, das kann ich auch, wenn auch auf ihre Weise (womit Wirksamkeit und Zielpublikum von Tom Cruise Filmen ein für allemal geklärt sein dürften). Sie wird selber aktiv, findet den Zettel mit der Postadresse wieder und macht sich auf die Socken.

So fängt das unterhaltsame Selbstjustiz-Miss-Marple-Krimispiel an, fröhlich, leichthändig mit vielen, netten Scherzen versehen. Ein Freund von früher, Ben (Richard Roundtree), und sein Scooter werden ein Rolle spielen. Es wird ein Road-Movie zu Zweit auf Scooter, so schon ein besonderes Bild mit Tricks und Gags und Frechheiten. Die alarmierte Familie hinterher.

Was man auch lernt, ist, dass es einen Silver-Alarm gibt, nachdem wir in Ezra – Eine Familiengeschichte gelernt haben, was ein Amber-Alarm ist.

Josh Margolin hat das Buch geschrieben, die Regie geführt, so wie Hollywood es kann, schön klar und ausgestellt, nichts, was das Verständnis hindern würde und dazu eine wundervolle Auswahl an Schauspielern, vor allem auch Schauspielerinnen hohen Alters, welche Gesichtslandschaften!, die sich wohl kaum je unter das Messer eines Schönheitschirurgen gelegt haben dürften. Mehr Feminismus geht nicht. Und das so unverbissen und freundlich und doch irgendwie geschleckt und geleckt und trotzdem lächelnd, denn wenn man in der Bredouille steckt, so ist die Rede lediglich von „wir haben hier eine kleine Situation“.

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