Bäume, älter als die Erfindung des Autos –
Teurer Autobahnbau
Die Planung der A-49 zwischen Kassel und Gießen geht vier Jahrzehnte zurück. Viele Paramter für die Planung von damals haben sich inzwischen verändert. Die Klimaerwärmung schreitet schneller voran als vorausgesehen, das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens scheint in weite Ferne gerückt. Das Wachstum hält an, obwohl der Club of Rome schon 1972 in „Grenzen des Wachstums“ davor gewarnt hat, so im Anspann des Filmes zu lesen: „Unkontrolliertes Wachstum hat die Menschen in die Krise geführt. Die Menschheit steht an den Grenzen ihrer irdischen Existenz“.
Zwischen den Verträgen zum Autobahnbau und den Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen entstehen Konflikte durch widersprüchliche Verträge. Gesetzesbruch auf der einen oder anderen Seite ist so programmiert.
Einen möglichen Leitfaden zur Lösung dieser Widersprüche sehen Aktivisten im Grundgesetz: „Das Widerstandsrecht ist allgemein ein naturrechtlich bzw. durch ein positives Gesetz statuiertes Recht jedes Menschen, sich unter bestimmten Bedingungen gegen staatliche Gesetze oder Maßnahmen aufzulehnen, bzw. ihnen den Gehorsam zu verweigern.“ Grundgesetz, Artikel 20 (4), der im Abspann des Filmes angeführt wird.
Klaus Sparwasser dokumentiert in seinem aufregenden Film als Frontberichterstatter die Verteidigung des Danneröder Waldes,
der dem Autobahnbau der A-49 weichen soll.
Rare Ökosysteme, Bäume 250, 300 Jahre und älter, älter also als die Erfindung des Automobils, sollen gefällt werden. Sparwasser ist mit den Aktivisten in ihren romantischen Baumhäusern, an der Front zwischen teils höflicher, teils schlägernder Polizei, Knüppeln, Wasserwerfern und Stacheldraht.
„Wer Autobahnen baut, der erntet Verkehr“.
Es wird ein teures Stück Autobahn, wenn man allein die Kosten für die Polizeieinsätze einalkuliert.
Der Film macht einen Schwenk nach Lützerath, das dem Kohlebergbau weichen soll, einer veralteten Energieform von besonderer Umweltschädlichkeit.
Sparwasser lässt Aktivisten und Experten zu Wort kommen. Das Problem mit der Erderwärmung ist dasjenige, dass keiner weiß, wann der Kipppunkt kommt. Insofern ist es nachvollziehbar, dass Menschen unterschiedlich alarmiert reagieren, besonders alarmiert natürlich die Aktivisten. Für sie ist der Notfall der Erde längst eingetreten. Da muss man den Protest eskalieren. Da wird eine komplette Transformation unserer Gesellschaft, auch der kapitalistischen nötig. Erst recht, wenn der politische Wille zu fehlen scheint. Damit verbunden ist die Frage nach dem guten Leben.