Familienanfreundung
Das war im dänisch-holländischen Original von Christian Tafdrup die spannende Sache, wie können sich zwei Familien anfreunden, da beides doch Liebesgewirke sind, die zusammenzufügen oder mit anderen solchen Gewirken zuzsammenzugehen gar nicht so einfach ist.
Auf solche Subtilitäten verzichtet dieses amerikanische Remake von James Watkins, der mit den ursprünglichen Autoren Christian und Mads Tafdrup auch das Drehbuch geschrieben hat.
Wieder lernen sich zwei Familien im Italienurlaub kennen. Es sind dies die Briten Paddy (James McAvoy) und Ciara (Aisling Franciosi) mit dem gestörten Buben (Dan Hough). Sie werden nach dem Urlaub die Amerikaner Ben (Scoot mcNairy) und Louise (Mackenzie Davis) mit ihrem Töchterchen Agnes (Alix West Lefler), die zur Zeit in London leben, auf ihren einsamen Landsitz in England einladen. Die nehmen an. Das passiert etwas hoppla-di-hopp.
Im Gegensatz zum Vorgänger nimmt dieser Film erst mal viel Zeit für die Schilderung des Besuches, der ersten Zeit mit Essenseinladung zum einsamen Koch Mike (Kris Hitchen). Vor allem wird das amerikanische Paar durchleuchtet. Es funktioniert nicht, wie es soll. Ben ist anfällig für die Avancen von Paddy, der in ihm den Wolf wecken möchte. Es wird erklärt, warum die Dinge sich entwickeln, wie sie sich entwickeln.
Der Vorgängerfilm kam bald nach der Ankunft der Dänen in Holland zur Sache, zur Horrorsache. Hier setzt sie zwar auch bald schon ansatzweise ein, es gibt Anzeichen dafür. Louise fühlt sich nicht richtig wohl, es ist aber empirisch wenig nachvollziehbar. Einmal gelingt ihnen die Flucht, aber weil Agnes so an ihrem Teddy hängt, fahren sie nochmal zurück.
So richtig funktioniert in der jetzigen Version die Eskalation der Situation nicht, vielleicht weil der Film zu viel Anlauf dafür nimmt, ja gerade weil er sich die Mühe macht, das Paar gründlicher auszuleuchten. Dadurch wirkt vielleicht das Irrationale rationaler und die späten Action-Szene erfunden. Schade, weil gerade anfangs die Familien recht emphatisch und energetisch geschildert werden.
Der gut gemeinte Versuch, zu erklären, warum die Gastfamilie instabil ist, geht nach hinten los; im Original war der Reiz genau der, dass das unausgesprochen blieb und wie leicht letztlich die Gastfamilie zu knacken war. Mit dem Versuch der Erklärung wird es reizlos.