Der schöne Sommer

Verschwende Deine Jugend

Bei Frank Wedekind gibt es das Frühlings Erwachen, ein Dauerbrenner von Theaterstück über das Coming of Age. Bei Cesare Pavese gibt es die Romantrilogie Der schöne Sommer, ist sowohl der Titel der Trilogie als auch eines der Bände.

Bei Pavese hat die Jugend ihre Pubertät hinter sich. Sie lebt in einer erotikgeschwängerten Atmosphäre, die Laura Luchhetti, die mit Greta Scicchitano und Mario Innuzziello auch das Drehbuch verfasst hat, zum Pavese-Text noch zusätzlich zum Fibrieren bringt mit einer zauberhaft geschmackvollen Ausstattung und entsprechenden Settings.

Es ist 1938 in Turin, Zeit des Faschismus. Der spielt nur ganz am Rande eine Rolle, einmal gibt es eine Mussolini-Ansprache am Radio, einmal müssen in der Straßenbahn junge Männer uniformierten Faschisten ihren Sitzplatz überlassen. Das wars praktisch schon.

Im Zentrum steht die blühende Jugend, ihre Sehnsucht nach Liebe, unerfüllt oder ausgelebt, immer als Möglichkeit da, aber auch als Möglichkeit des Verbrauchs.

Es begegnen sich zwei konträre Welten, die Konflikte auslösen. Ginia (Yile Yara Vianello) steht für die brave, bürgerliche Welt, die arbeitende Welt. Sie lebt mit ihrem Bruder Severino (Nicolas Maupas) und ihrer Schwester Rosa (Cosima Centurioni) zusammen. Die Eltern leben woanders. Severino hatte mal literarische Ambitionen, aber er jobbt als Laternenan- und ausknipser.

Ginia ist Näherin. Sie ist beim eleganten Modeatelier von Signora Gemma (Anna Bellato) angestellt. Sie ist bieder gekleidet. Der Hut, den sie trägt, macht sie älter, der lange Rock nicht auffällig attraktiv. Sie kennt die Liebe noch nicht. Sie traut sie sich auch nicht zu. Sie ist eine sehr gute Näherin und ein Entwurf von ihr findet die Anerkennung der Chefin. Ihre Perspektiven in dem Atelier, das in einem großartigen Jugendstilpavillon residiert, sind blendend.

Ginia begegnet in der Person von Amelia (Deva Cassel) einer verführerischen Welt, der Welt der Künstler, der Laszivität, der Ausschweifung. Amelia arbeitet als Modell für Maler, Nacktmodell selbstverständlich und da bleibt das Muse-sein nicht aus.

Ginia kann der Verlockung trotz enormem Widerstand nicht widerstehen. Sie geht mit ins Atelier von Rodrigues (Adrien Dewitte) und Guido (Alessandro Piavani). Für die ist es Macho-Selbstverständlichkeit, sich mit ihren Modellen auch privat zu vergnügen.

Laura Lucchetti zeichnet in ihrem Film diesen Sommer von Ginia mit verführerischem Sog nach, wie sie aus ihrem kleinen, wohlorganisierten Leben heraus in welche Verwicklungen hineingerät und wie und ob sie wieder herauskommt, nachdem sie von den verlockenden Speisen gekostet hat.

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