Die ganzen Probleme der Welt auf zauberhaft-fantasievolle Weise reduziert und abstrahiert
Claé und Bruô sind ein Sonnen- und ein Mondwesen und finden sich in einem Urwald (nehmen wir an, es ist der Amazonas, da der Film aus Brasilien kommt). Der Urwald ist durch die Riesen gefährdet: Abholzung, Zerstörung drohen. Rettung garantieren nur die Perlimps. Doch wer sind sie? Wo sind sie? Sind sie vielleicht auch nur eine Abstraktion für Begriffe wie Frieden, Harmonie, Nachhaltigkeit, Versöhnlichkeit, Gerechtigkeit, gar Demokratie? Denn die Riesen scheinen Symbole zu sein für die modernen Industrie-Citys und auch für den Rüstungswahn und die Kriege.
Es ist von einer großen Mauer die Rede, die die Menschen trennt und von der großen Welle, die alles überrennt und von einem geheimnisvollen Reich.
Der Film von Alê Abreu, der mit Viviane Guimaraes auch das Drehbuch geschrieben hat, ist ein einziger Rausch und ein Spiel der Farben und Formen. Claé und Bruô erinnern entfernt an frühe Disneyfiguren in ihrer Einfachheit und momentweise lässt die gezeichnete Natur auch an naive Malerei denken.
Der Film ist nie überladen wie bei industriellen Hollywood-Zeichentrickfilmen, die mit einem Übermaß an Action und Sound einen schier erschlagen.
So fantasievoll das Bild, so fantasievoll wird mit den Tönen, den Klängen umgegangen.
Das Thema zieht sich durch, dass der Urwald gerettet werden müsse; gleichzeitig gilt es für die beiden Hauptfiguren, gerade wegen ihrer gegensätzlichen Herkunft, Vertrauen zueinander zu finden. Sowieso: auch die Konstruktion der beiden ist sorglos fantasievoll, es sind Mischungen aus Wolf und Fuchs, oder aus einem Bären mit Löwenschwanz.
Es ist ein Film voller Symbolik über den von den Menschen verursachten Zustand des Planeten; aber es gibt auch die vergessene Stadt, sie kann stehen dafür, was die Menschen aus ihrer Geschichte verdrängt haben und vielleicht nicht mehr wissen. Ja, es wird noch absurder, wenn von einer Ära der Astronauten die Rede ist. Aber auch die Meditation findet in Bruô einen Repräsentanten.