Religion, Spekulation, Psi-Phänomene, Rätsel und Intellekt
gehen in dieser Dokumenation von Marria Fredriksson eine Mischung ein wie aus einer nordischen Zwielichtnacht.
Ausgehend von einem Stilleben, das interessanterweise in einer Küche hängt, ein wohl auf groben Stoff projiziertes Stilleben, ein Küchenbehang, der da hängt, wo in anderen Küchen bedruckte Küchentücher aufgehängt werden, bedruckt wie hier beispielsweise mit einer Skandinavienkarte.
Auf dieser werden die Wege der Personae Dramatis gezeichnet, die sie zueinander und dann auch wieder voneinander weg führen, die das Rätsel über die Familienzugehörigkeit drehen und wenden, bis es immer noch ein Rätsel bleibt.
Es wurzelt tief in der euopäischen Geschichte, im Zweiten Weltkrieg. Es wurzelt in der Angst der Skandinavier nach dem Einmarsch der Deutschen, diese würden ihre Zwillingskinder im Sinne Doktor Mengeles missbrauchen.
Aber es gibt auch ein neueres Rätsel in diesem hingebungsvollen Film, der seiner Hingabe an das Objekt seines Interesses mit klassischer Musik emotionalen Nachdruck verleiht.
Es ist das Interesse an einer mutmaßlich durchschnittlichen Familie, die im Grenzbereich zwischen Norwegen und Schweden anzusiedeln ist. Es gibt einen seltsamen Selbstmord einer der Schwestern vor bald vierzig Jahren.
Es gibt dabei, wenn man heute Licht in die Akten wirft, merkwürdige Ungereimtheiten. Und es taucht plötzlich ein Mensch auf, der Ähnlichkeiten mit der Verstorbenen hat, die sich in kleinsten Haltungen und Bewegungen ausdrücken. DNA-Untersuchungen stützen vorerst die Vermutung der Verwandtschaft. Es gab da mal Zwillinge, die getrennt worden sind.
Es hängt die Frage in der Luft nach der Identität eines Menschen, wie weit die durch die Gene bestimmt sei, wie weit durch die Individualentwicklung.
Da können bei einer Verwandtenzusammenführung Verhaltens- und Bildungsunterschiede wie Tag und Nacht wirken, da können sich Menschen, die es angeblich sein sollen, sich überhaupt nicht wie Verwandte fühlen.
Die Dokumentaristin legt die Doku-Situation von Anfang offen mit einer Szene, die sie mehrfach von zwei der Protagonistinnen wiederholen lässt. Es ist zugleich eine der Schlüsselsszenen, die das eine Haupträtsel in die Geschichte bringen.
Mehrfach wird die Dokusituation auch erwähnt, einmal verliert die Regisseurin fast die Nerven, wie ihre Protagonistinnen gleichgültig eine doch ihrer Meinung nach essenzielle Information nordisch gelassen zur Kenntnis nehmen und einmal knallt ein Leuchter mit Glühbirnen zu Boden. Da es sofort dunkel wird, wird auch klar, dass kein zusätzliches künstliches Licht verwendet worden ist; Dokumentieren mit minimalem Aufwand, aber auch schön symbolhaft für den widerborstigen Stoff, dem sich dieser Film widmet, der ganz nebenbei Einblick in vermutlich durchschnittliche skandivanivische Lebens- und Familienverhältnisse bietet.