Gegen den Tod anspuken
Der Mensch kommt nicht weiter mit seiner Beschäftigung mit dem Tod, ob er das nun wie Tim Burton 1988 versucht oder erneut jetzt 2024, diesmal nach dem Drehbuch von Alfred Gough, Miles Millar und Seth Grahame-Smith. Das bleibt sich gleich.
Der Tod kann vielleicht hinausgeschoben, vielleicht in eine Zwischenwelt verlagert werden, bis der Soul-Train ihn definitiv ins Jenseits holt. Immerhin ist es bei Tim Burton ein fröhlicher Spuk, ein bunter Spuk, ein fantasievoller Spuk.
Michael Keaton ist die verrückte Figur, malerisch, crazy, Beetlejuice, dessen Name man nicht aussprechen soll. Der spielt später auch mal den Paartherapeuten, auch das eine recht moderne Anspielung.
Monica Bellucci glänzt als Dolores, die sich selbst aus ihren Bestandteilen, die in Versandkisten verpackt sind, wieder zusammentuckert. Ein schräger Effekt, wenn sie anderen Figuren die Seele aus dem Mund saugt und die dann wie ein Schneemann im Frühling in sich zusammensacken. Da wird einem die Wirkkraft von Seele so richtig bewusst.
Willem Dafoe ist Wolf Jackson, eigentlich der Cop, der die Übertretungen gegen Code 699 ahndet. Er besteht darauf, er sei Schauspieler.
Die junge Liebe inklusive Traumhochzeit kommt vor, das ist die Tochter von Lydia, Astrid (Jenna Ortega). Sie trifft im Baumhaus auf Jeremy (Arthur Conti).
Der Film ist voller Anpielungen auf die Heutezeit, Blogger spielen eine Rolle, die Anzahl Follower oder die SMS-Diarrhoe kommt vor. Lässig mit der Zeit gefrotzelt. Das bringt jedoch die spukhafte Auseinandersetzung mit dem Tod auch nicht weiter, macht sie allenfalls heutiger, vielleicht ein Zückerchen für den Nachwuchs, der auf dem Gebiet noch nicht so bewandert ist.
Eine Trauerfreier wird umfunktioniert zu einem Hochzeitsantrag und ist eh am Rande der Zwischenwelt. Es gibt in der Zwischenwelt keinen Benimm, es gibt nur jenen Code 699, was immer der sei. Das Heute und das Jenseits spielt auch in The Crow eine Rolle, auch dort gibt es einen Bahnhof. Auch jener Film erscheint irgendwie stehengeblieben.
Der Rahmen ist eine Geister-TV-Show von Lydia. Sie sieht plötzlich Beetlejuice und kriegt beinah einen Nervenzusammenbruch. Der Tod greift ein. Ihr Mann kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Aber nicht beim Absturz. Erst kann er sich an einen schwimmenden Gegenstand halten, dann kommt ein böser Hai. Das könnte auch das Niveau von Pennäler-Scherzen sein. Ist doch das Alter des Coming-of-Age auch das Alter der beginnenden Liebe, von unsterblichen Lieben, die magnetisch das Thema Tod nach sich ziehen.
Auch wenn es inhaltlich nicht weitergeht, wenn man erkenntnismäßig nicht weiterkommt, so kann man Tim Burton den Elan und die Begeisterung für die aufgewärmte Sache nicht absprechen, denn da sie nie lösbar sein wird, die Angelegenheit mit dem Tod, bleibt sie ja irgendwie auch ewig akut und ewig frisch. Vielleicht so: nicht unbedingt modern, aber quicklebendig, quickvergnügt.