Charmante deutsche Gaunergeschichte,
leider mit einem erzählerischen Klumpfuß versehen.
Natja Brunckhorst (Alles ist in bester Ordnung), die Autorin und Regisseurin dieses Filmes, wollte sich offenbar nicht mit der leichten Kost einer Gaunerkomödie zufrieden geben, nein, es musste auch noch eine Dreiecksgeschichte hineingewurstelt werden und so wunderbar die exzellent ausgewählten Protagonisten das spielen, so klumpfüßig wirkt sich das auf die Leichtigkeit des Erzählens aus.
Für solche Dreiecksgeschichten machen andere Leute ganze Filme, schon Éric Rohmer bis kürzlich Luca Guadagnino mit Challengers.
Wenn Brunckhorst es wie er gemacht hätte, dann hätte wohl die Geldgeschichte nicht so eine Rolle gespielt. Der Titel des Filmes aber tut so, als sei er lediglich daran interessiert, wie eine Gruppe von Leuten es schaffte, endgelagerte DDR-Banknoten nochmal zum Kurs „Zwei zu eins“ umzutauschen.
Diese Geschichte ist amüsant, die Versuchung ist allzu menschlich. Der Film spielt in der Woche nach der Wende, wie die Währungsumstellung in der noch existierenden DDR auf D-Mark stattfindet.
Die Bewohner eines Plattenbaus sorgen für die faszinierenden Momente des Filmes, dieser Cast zusammengestellt von Susanne Ritter, der ist umwerfend charmant, diese Atmosphäre des Noch-Nicht und des Nicht-Mehr. Auf sie weist auch ein Theaterplakat für Samuel Beckets „Warten auf Godot“ hin.
Diese Plattenbaubewohner, das sind an Protagonistenstelle Sandra Hüller, Max Riemelt, Ronald Zehrfeld als Rückkehrer, kommen über ihren Bekannten Peter Kurth dahinter, dass in einem stillgelegten Stollen die nicht mehr gebrauchten und zurückgegebenen DDR-Scheine leicht zugänglich endgelagert sind. Sie verschaffen sich Zutritt und bedienen sich.
Diese Aktion wird so sorglos geschildert, wie es für einen Kinderabenteuerfilm genau das Richtige ist. Und auf ein naives Abenteuer lassen sich diese Leute ja auch ein. Das ist die Hauptqualität von diesem Film, mit diesen und weiteren Aktionen, diese Atmosphäre zu schildern, wie die DDR im Grunde genommen vom Kapitalismus überrollt und überrumpelt wird. Darauf war keiner vorbereitet.
Der Film schildert also eine Blüte der nicht so schnell blühenden Landschaften. Das Problem für die Geldfinder ist, dass nur noch wenige Tage umgetauscht werden kann und wer es für sich privat schon gemacht hat, kann nicht nachjustieren.
Unsere Abenteuerbande muss als Wege finden, wie sie ihr Fundgeld zu D-Mark machen kann. Zu einer Pointe der Geschichte artet die Gier des Westens aus, dem Osten sein neues Westgeld mit Konsumartikeln, mit Toastern, Kaffeemaschinen oder Kochsets wieder aus den Taschen zu ziehen. Hier dem Westen den Stinkefinger zu zeigen, ist ein aufwändiges, aber unterhaltsames Programm.
Mit dem Kapitalismus kommt auch die Gier, der Hunger nach noch mehr, auch das wird diskutiert. Sie treibt die kleine Plattenbaugemeinschaft in Richtung kriminellerer Vorgänge, die aufzeigen, dass auch größerer Beträge offenbar problemlos immer noch getauscht werden können. Es zeigt sich, allein wenn man diese Aktionen, die kleine Halunkerei beschreiben möchte, dass das schon fast mehr Stoff bietet, als ein 90-Minüter fasssen kann.
Aber nein, es muss immer wieder die Beziehung zwischen Sandra Hüller, ihrem Ex Ronald Zehrfeld und ihrem aktuellen Mann Max Riemelt und dem Töchterchen, das für einen nie in Umlauf gekommenen DDR-Zweihunderter einen riesigen Teddybären erstanden hat, reingepostet werden. Das ist zuviel und macht den Film zu lang, so großartig die Schauspieler auch sind. Denn mit der Gaunergeschichte allein hätte es noch genügend Drehbucharbeit gegeben, um es richtig griffig zu machen, straff und süffig – groß halt.