Celluloid Underground (Cinema Iran 2024)

Kino als Heimat –
„You’ll vanish into the screen of secrets“ Omar Khayyam

Das verbindet den Filmemacher Ehsan Khoshbakht, den Autor und Regisseur dieser Dokumentation, mit seinem Protagonisten Ahmad Jorghanian, dessen Tod der Anlass für diesen Film gab, dass das Kino für beide eine Art Heimat geworden ist, während der Iran, ihre administrative Heimat, diesen Begriff nicht mehr verdient.

Der Filmemacher ist ausgewandert nach England und sein Protagonist ist nach der iranischen Revolution von 1979 in seine filmische Heimat abgetaucht. Er rettet, da das Kino immer weniger gern gesehen ist im Iran, in den Untergrund, was zu retten ist an Boxen mit Celluloid-Rollen. Dafür geht er mehrfach ins Gefängnis, weil die Mullahs alles an Film vernichten wollten.

Diese Hommage an den passionierten Filmsammler und -retter verbindet Ehsan Khoshbakht mit einem Rückblick auf seine eigene Kinogenese, wie er als kleiner Bub von einem einzigen „frame“ aus einem Film angefixt war, wie er diesen projizierte und später ganze Filme zeigte.

Der Dokumentarist ist nach der Revolution geboren. Es gab also kaum noch Kinos, Liebesszenen fielen der Zensur zum Opfer. Es gab aber Fernsehen und auch Videokassetten.

Der Dokumentarist baut seinen Film zusammen aus einem aparten Mix aus illustrierendem Found- als auch Archiv-Footage, dieses sowohl zeitgeschichtlich als auch aus der Filmgeschichte, aus nachgedrehten Szenen als Reenactment, aus Schnipseln vom heutigen London und Erinnerungsstücken darin an Hitchcock.

Angesichts all der illustren Namen, wie John Huston, Chaplin, Fellini, Truffaut, die zitiert werden mit Filmausschnitten, fragt man sich schon, was die iranische Geistlichkeit bewegt, solch eine Panik vorm Kino zu schieben.

Vom vormaligen nordkoreanischen Diktator war bekannt, dass er ein Kinofan war und sogar sein eigenes Kino hatte, wenn er auch die Filme seinem Volk vorenthielt. Wer weiß, vielleicht hat die im Iran herrschende Geistlichkeit längst ein kleines Kino im Regierungsviertel eingerichtet, so versteckt, wie Ahmad seinen Filmschatz ihrem Zugriff entzogen hat.

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