Pärchenabend (ZDF, Mediathek)

Rammelnder Hase, Karottenschneidestaccato, GV-Stöhnen

Unerschöpflich ist das Thema Paar für Komödien, Tragödien, Epen, für Fernsehen, das Kino, das Theater.

Vergessene Mandelsplitter, depressive Kaninchen, abgelaufene Hähnchen, Geheimnisse, nicht gelesene Nachrichten, verschwundener Schmuck, Affärenverdacht, darüber fetzen sich Tarek (Serkan Kaya) und Caro (Alwara Höfels). Anne (Adina Vetter) und Philipp (Ken Duken) fetzen sich über Tarek und Karo. Sie sind das sterilste Paar auch von der Einrichtung her. Kein Wunder, dass sie Nackenversteifungen spürt und dass er sie massieren muss. Sie treiben es mit Kontosperrungen. Matze (Jacob Matschenz) kommt auch. Er küsst Nesrin (Carol Schuler), MTA, auf dem Teppich. Sie fetzen sich über die Vergangenheit.

Alles Paare treffen sich auf Einladung von Tarek und Caro bei diesen zuhause zum Essen. Soweit die Exposition wie sie an Das perfekte Geheimnis erinnert, von den man noch dies und das wiederzuerkennen glaubt, gerade, wenn es um die Handys geht. Rechthaberei, ins Wort fallen, Besserwisserei, sind weitere Dialogingredienzien und als verräterischer Fakt meldet sich ein Handy in der falschen Handtasche.

In verschiedenen Kombinationen wird bei diesem Essen über andere Paar-Kombinationen geredet. Alle haben ihre Geheimnisse. Eine antikapitalistische Demo von vor zwei Jahren spielt eine wichtige Rolle dabei genau so wie der Sidekick Mona (Marleen Lohse), die mobil dazugeschaltet wird.

So misslungen oder provisorisch wie die Caprese-Sauce, die Philipp improvisiert hat, so sind auch die menschlichen Verhältnisse, die der Cast ganz ordentlich darstellt.

Da der Film von Leo Khashin auf einem Theaterstück beruht, ist es wenig verwunderlich, dass es sich vor allem um ein Dialogstück handelt. Rede und Gegenrede gehen wie geschmiert, ein Wort gibt das andere, ein Geheimnis überdeckt das andere, Geheimnisse bringen Unruhe in das Abendessen unter den befreundeten Paaren. Und ewig locken die Handys die Autorin Alexandra Maxeiner, die das Drehbuch nach einem eigenen Theaterstück geschrieben hat, redaktionell betreut von Petra Tilger. Früher waren es noch Briefe, die das klassische Drama vorwärtsgetrieben haben.

Man könnte sagen, es ist ordentliches Stadttheater, eine leichte Sommerkomödie, in der die kleineren und größeren Problemchen moderner Paare ventiliert werden.

Im Gegensatz zum Perfekten Geheimnis, wo jeder irgendwas hat, was er nicht öffentlich machen möchte, handelt es sich hier um zwei ganz klare Seitensprünge, die im Laufe des Abands bekannt werden und in einer Art Gerichtssituation verhandelt werden sollen. Ab da verliert die Komödie ihre Leichtigkeit, schwenkt auf einen etwas zähen Filmernst ein, erst recht wie das Thema Kinder und Elternschaft diskutiert wird; das wirkt etwas gezwungen in das Stück gepresst. So geraten dann auch Rhythmus und Tempo ins Schlingern, die Plausibilität des Stückes ins Straucheln mit der skurrilen Idee der Liebesprobe.

Dass es zu Ausbrüchen kommen muss scheint dem Vorbild Der Gott des Gemetzels geschuldet.

Die Musik erzählt ein bisschen allzu aufdringlich, wie lustig und leicht das alles ein soll.

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