Ein Leben für die Menschlichkeit – Abbé Pierre

Ob er die Welt verändert hat?

Hm. Das wollte Abbé Pierre (bürgerlich Henri Antoine Grouès) ursprünglich, am Anfang seines Erwachsenenweges, nachdem er die bürgerlichen Güter und die bürgerliche Welt hinter sich gelassen und sich dem Priestertum zugewandt hat.

Immerhin hat Abbé Pierre (Benjamin Lavernhe ist eine durchgehend traumhafte Besetzung vom junge Mann bis zum Greis mit dieser gewissen Reinheit des Idealisten, aber auch mit Ähnlichkeit mit dem ungebrochenen Kampfgeist eines Wolodymyr Selensky) ein Werk hinterlassen: Emmaus eine Organisation gegen die Obdachlosigkeit mit Filialen in vielen Ländern.

Abbé Pierre selbst ist durch seine Aktivitäten zum Medienstar geworden. Das wird auch kritisch angemerkt in einer Diskussion mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Lucie Coutaz (Emmanuelle Bercot), der er dank seiner Partisanentätigkeit im Zweiten Weltkrieg noch unter seinem bürgerlichen Namen begegnet ist. Sie hat ihm, nachdem er aufgeflogen ist, zur neuen Identität als Abbé Pierre verholfen.

Frédéric Tellier, der mit Olivier Gorce und Alain-Michel Blanc auch das Drehbuch geschrieben hat, erzählt das Leben dieses modernen Menschenfreundes flüssig mit ausgezeichneten Darstellern und souveränen Kinomitteln, eines Menschen, der die Welt zu einem besseren Ort machen will, mit einer humanen Gesellschaft nach dem Motto „lieben und teilen“.

Tellier umgeht die Falle des rein Kultischen, der bedingungslosen Verehrung. Er lässt seinen Protagonisten im hohen Alter selbst fragen, ob das denn alles so sinnvoll gewesen sei.

Der Filmemacher beschränkt sich in seinem Kommentar darauf, Bilder von Obdachlosen im Paris von heute zu zeigen.

Nach dem Krieg will Abbé Pierre zuerst einen Treffpunkt für aussteigewillige Bürgersöhnchen installieren. Aber Lucie macht da nicht mit. So finden sie, der Film benutzt ihn als Beispiel, im Wald den Obdachlosen Georges (Michel Vuillermoz), kein einfacher Genosse. Das Trio ist kreativ.

Erst hat Abbé Pierre seine Idee mit seinem Abgeordnetengehalt finanziert. Wie er nicht mehr im Parlament ist, wo er sich vehement für die sozialen Belange einsetzt, droht sein Projekt am fehlenden Geld zu scheitern. So entwickelt sich die Idee mit dem Sammeln und Weiterverkaufen von Schrott.

Tellier erzählt diese Stationen kinogeschmeidig und süffig. Die Schrottidee ist erfolgreich. Die Frage, was anfangen mit dem vielen Geld, führt zur Maxime, nicht auf den Finanzmarkt damit, sondern es investieren in neue Einrichtungen oder in die Verbesserung des Bestandes.

Das ist der Anfang dieser Einrichtung, die zwar Geld erwirtschaftet, es aber nicht nach den Prinzipien des Kapitalismus einsetzt. Das dürfte die Grundlage für das breite Erblühen der Institution sein.

Der schön episch erzählte Film verzichtet nicht auf pathetische und Rührmomente eines Gewissensdramas; er geht spendable mit dicker Feelgood-Orchestermusik auf der Tonspur um. Sein Freund Francois (Antoinbe Laurent) nannte Abbé Pierre den meditativen Biber, der immer sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen sei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert