Don’t Worry About India

Ein Taglohn für eine Stimme

Der Traum von Gandhi, von der Demokratie, der stand einst Pate bei der Gründung von Indien. Das ist auch die Vorstellung des Sprechers Adjun Jr., der als Ich-Erzähler fungiert in diesem reizvollen Prequel des Nama Filmcollectives zur aktuell größten demokratischen Wahl der Welt.

Der Ich-Erzähler ist Sproß einer wohlhabenden indischen Familie, die es gewohnt ist, von Personal bedient, bekocht und gefahren zu werden. Beim Golfspielen gibt es den Caddy, der schon jede Menge Familienmitgliedern den Golfwagen gezogen hat.

Die Familie dieses Ich-Erzählers waren ursprünglich Farmer, wie er meint, sind dann nach Bombay gezogen und, wie die Kinder heranwuchsen, in den Osten der USA umgesiedelt, um ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen.

Dieser Ich-Erzähler scheint dank der Ressourcen der Familie ein sorgloses Leben als Filmemacher in Berlin führen zu können.

Für die Wahlen von 2019 hat es ihn nach Indien gezogen. Er wird hier den Widerspruch zwischen der in der Familie gelehrten Philosophie von Demokratie und Klassenlosigkeit und der indischen Realität erfahren.

Sein Leitmotiv zur Erkundung, wie es denn um die Demokratie stehe in diesem riesigen Land, ist seine Familie und Menschen, die mit ihr zu tun gehabt haben. Da die Wahlen sich in Indien über Wochen hinziehen, ist er denen gefolgt und wo immer sie bevorstanden, hat er sich auf die Spuren seiner Familie begeben.

So sucht er früheres Personal auf oder den Bruder seines Vaters oder Dorfmitbewohner. Es sind die kleinen Leute, die Fahrer oder Caddies, die ihm erzählen, dass sie für den stimmen, der sie bezahlt in der Höhe eines Tageslohnes oder auch mit Brandy und die ihm zu verstehen geben, dass die Korruption allgegenwärtig sei.

Der Film schafft es so, einen faszinierenden Einblick in dieses vielfältige Land zu geben abseits häufig bemühter Klischees, selbst in Varanasi treibt das Filmkollektiv einen lokalen Poeten auf, der den Besuch in individuelles Licht taucht.

Vermutlich allerdings wird der Film gerade mal einen Vorgeschmack auf die eben zu Ende gegangen Wahlen und den in der vergangenen Regierungszeit massiv forcierten nationalistischen Hinduismus geben können.

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