Hollywoodgate (DOK.fest München 2024)

Wenn des Dokumentaristen Absichten schlecht sind, wird er bald sterben,

das droht der Chef der Taliban in Afghanistan dem Filmemacher an. Dieser ist aber willkommen vom ersten Tag der Machtübernahme an, der ist „embedded“, also auf Schritt und Tritt wird er beobachtet und immer mal wieder murmelt der Präsident, er soll aufhören zu filmen, oder die Kamera müsse zurückbleiben. Oft wird auch in der Entourage des Präsidenten geflüstert, was der Filmemacher da suche. Man solle ihn machen lassen. Dieser Präsident ist entweder eitel oder medienbewusst. Er weiß es geschickt, den Film für sich zu nutzen.

Das Absurd-Grotesk-Unfassliche an diesem Film ist, dass die Leute, die hier sich filmen lassen, die High-Tech Weltmacht USA und die Nato mit Schimpf und Schande aus dem Land gejagt haben.

Der Filmemacher Ibraahim Nash’at durfte die Taliban bei ihren ersten Schritten der Machtübernahme begleiten. Einmal schaut der neue Präsident versonnen, irgendwie neugierig wie irritiert, lange in die Kamera, als wolle er evaluieren, wie gefährlich sie ihm werden könne oder wie geschickt sie sich für ihn verwenden lasse.

Erstaunlich ist die sanfte, weiche Stimme des Chefs, sein fast demütiger Blick oder wie er ungerührt über Todesfälle spricht, auch noch zu verursachende. Und wie er bei einer Flugplatzbesichtigung fast nur zwischen den Zähnen brabbelt, man möge hier Bäume pflanzen oder Blumen. Und bei einer der nächsten Besichtigungen werden tatsächlich Bäume gepflanzt.

Wie überhaupt der Flugplatz und die Flugzeuge ein Lieblingsspielzeug des Führers zu sein scheinen. Irgendwie treibt er Piloten auf, gründet eine Pilotenakademie und zum ersten Jahrestag der Machtübernahme schafft es der Präsident, auf dem Flugplatz ein Defilee zu veranstalten mit jeder Menge Flugzeuge, die über die Menge fliegen und Truppen, die einsatzbereit scheinen, ganz gegen den Eindruck von den Taliban als Kämpfern aus der Steinzeit.

Davor zeigt einer eine der Höhlen, in denen sie primitivst nur Unterschlupf fanden.

Zur Militärparade kommen Botschafter von mit der Talibanregierung befreundeter Länder, die Chinesen mit dem Aktenköfferchen dabei, Pakistan, Russland. Mehr als einer ist scharf darauf, von den Bodenschätzen des Landes zu profitieren.

Der Filmemacher erklärt am Schluss, dass er vom Elend im Lande ferngehalten worden sei und darüber nicht berichten könne.

Krass sind vor allem die frühen Aufnahmen, wie die Truppe um den neuen Präsidenten die Hinterlassenschaft der Amis besichtigt. Hier knallen verschiedene Zeiten zusammen und der neue Präsident weiß nicht mal, was die Desinfektionsflaschen am Eingang zu einem Hangar bedeuten. Aber er selbst geht mit Handy und Walky-Talky souverän um.

Über das Verständnis von Frauen gibt die Geschichte Aufschluss, die einer zur Erkärung des Schleiergebots erzählt, die Frauen werden mit Schockolade verglichen.

Geschmackvoll und verschiedenen sind die Kopfbedeckungen des neuen Präsidenten, der eine gründliche Machtphilosophie zu haben scheint und eine tiefe Motivation wegen dem Tod seines Bruders.

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