Eternal You – Vom Ende der Endlichkeit (DOK.fest München 2024)

Diese verdammte Sterblichkeit,

die ist sicher ein fundamentales Problem des Menschen, des Seins, der menschlichen Existenz und sie treibt und trieb Blüten eh und je, siehe die ganzen Totenkulte und bis hinein in den aktuellen Europawahlkampf: hier gibt es Plakate, die für eine Partei werben, die Gelder locker machen will für Forschung, die das menschliche Leben auf 1000 Jahre ausdehnen will.

Die Toten wieder lebendig werden lassen, das haben oft schon, gerne auch in Filmen, spiritistische Sitzungen versucht.

Über einen Hight-Tech-Pop-Up-Versuch, um ihn locker so zu titulieren, berichten elegant in gängig internationaler Magazinmanier und betreut von Kohorten von Fernsehredakteuren Hans Block und Moritz Riesewieck über mit Hilfe von KI hergestellte Avatare von Toten, die mit den Hinterbliebenen selbständig kommunizieren können.

Der Film berichtet über Plattformen, auf denen man chatten kann mit den Verschiedenen und über Möglichkeiten im Rahmen von Virtual Reality. Hier wird eine Mutter in Korea in einer Fernsehshow ihrem rekonstruierten Kind wieder begegnen. Grad gruselig ist es.

Forscher berichten ernsthaft über die Gefahren, die bei KI lauern, die Gefahr der Verselbständigung und dass wir nicht wissen, was daraus wird. Das hört sich so besorgt an, wie damals die Befürchtungen von Oppenheimer zur Gefahr der Atomwaffen.

Der Film versucht von seiner Ästhetik her den Eindruck einer durchverbandelten Welt zu erwecken: nächtliche Städteansichten, die an Schaltboards von Computern erinnern, an Chipoberflächen mit ihren Vernetzungen und Verknüpfungen; das ist ästhetisch verführerisch und referiert auf Normatives.

Der Film kommt mit der Eleganz eines glattgebürsteten Hochglanzmagazins daher, bringt Ausschnitte aus einer Anhörung im US-Kongress zum Thema KI, sowie nachgestellte Chatprotokolle, textet damit mehrfach die Leinwand zu. Im Abspann wird versichert, dass diese Chats tatsächlich so verlaufen seien.

Schummrig kann einem beim Gedanken werden, dass nach dem eigenen Tod jemand auf die Idee kommen könnte, mit virtuellen Übrigbleibseln von einem so einen Avatar herzustellen, der dann womöglich ganz anderen Blödsinn verzapft, als man selber es getan hat. Oh, da kann einem grad schaudern vor der digitalen Unsterblichkeit, vor diesem High-Tech-Voodoo.

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