Die Vision der Claudia Andujar (DOK.fest München 2024)

Die Yanomani und die Drohnen –
ein Film, der sich mausert.

Was der Titel verspricht, nämlich ein Porträt, ein Biopic der Fotografin Claudia Andujar zu sein, das hält er sowieso und auch eindrücklich.

Aber der Film von Heidi Specogna leistet mehr.

Der Fim beginnt als schöne Hommage an die zurückhaltende, unaufdringliche Frau, die in Sao Paolo wohnt. Blättern in Fotoalben, Infos über die Kindheit, Besuche einer Fotoausstellung mit Bildern von ihr. Das Fotografieren gab ihr nach überstandenem Holocaust und Verlust von Angehörigen Lebenssinn, speziell das Fotografieren der Yanomani aus dem Amazonas-Dschungel, die bis in die frühen Siebziger hinein kaum Kontakt mit Weißen hatten, weil es auch noch keine Straßen zu ihnen gab.

Faszinierend sind Andujars Fotos, anfänglich in Schwarz/Weiß und die wurden auch in bekannten Magazinen abgedruckt. Mit der Berührung mit der Zivilisation kamen die entsprechenden Krankheiten zu den Indigenen. Nicht nur das, illegale Holzfäller und Goldwäscher rückten den Stämmen auf die Pelle.

Das Interesse der Fotografin wendet sich zusehends hin zur Rettung der Stämme vor dieser Invasion von Krankheiten und kaltblütigen Ausbeutern. Aus der Fotografin wird eine Aktivistin, die die Stämme in ihrer Forderung nach Demarkation, also Ausweis geschützter Territorien, unterstützt. Das macht die Fotografin für den Staat suspekt.

Der Film nimmt eine weitere überraschende Wende und Spoilerallergische sollten spätestens jetzt sich ausklinken aus der Lektüre dieser Review.

Der Film berichtet vom Erbe der Fotografin. Wie die junge Generation der Indigenen unterstützt von den Stammesältesten und den Stämmen sich die modernen Medien unter den Nagel reißen, wie sie mit Drohnen arbeiten, illegalen Holzschlag aufspüren oder Goldwäscherei, wie sie Quecksilber im Wasser nachweisen, das diese hinterlässt.

Der Film berichtet von einer heranwachsenden Generation von Yanomani-Aktivistinnen, die längst in moderner westliche Kleidung herumlaufen und trotzdem die Stammeskultur bewahren wollen, indem sie Filme machen, das Kollektiv Audivisuell Manduruku „Deje Kapap Eypi“ mit Aldira, Beka und Rilcelia. Sie haben sich von der Kämpferin, Aktivistin und Fotografin Claudia Andujar animieren und inspirieren lassen und sind ihr dankbar dafür.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert