Diener der Dunkelheit (BR, Sonntag, 28 April 2024, 23.15 Uhr)

Zwei Spürhunde auf Kaninchenjagd

Bei flüchtigem Überfliegen des BR-Textes zu diesem Mitternachtsfilm aus Italien von 2019 wird die Assoziation erweckt, es handle sich um das Reenactment einer 15 jährigen Gefangenschaft eines gekidnappten Mädchens.

Es gibt berühmte Beispiele und Filme darüber, 3096 Tage, die Natascha Kampusch in einem Keller gefangen gehalten worden ist.

Der Film jedoch von Donato Carrisi erzählt eine ganz andere Geschichte und das in industriell perfekter Manier, er erzählt einen Thriller, wie zwei Arten von Ermittlern versuchen, ein solches Verbrechen aufzuklären. Der Originaltitel des Filmes ist laut IMDb „L‘ uomo del labirinto“, der Mann des Labyrinths, der internationale Titel lautet „Into the Labyrinth“ und da ist auf dem Plakat Dustin Hofmann als der Ermittler drauf. Es geht also offenbar um den Ermittler und die Abgründe, in die er hineintaucht und nicht um das Opfer. Da erweckt der BR-Text einen völlig falschen Eindruck: „15 Jahre lang wurde Samantha Andretti (Valentina Bellè) von einem Unbekannten in einem Verlies gefangen gehalten. Dort war sie der Willkür ihres Wärters ausgeliefert, der sich ihr nie offenbarte, sie aber mit sadistischen Spielen quälte. …“

Der Fall wird akut, weil Samantha Andretti (Valentina Bellè) plötzlich freigelassen wird, ohne dass es bis heute irgend eine verwertbare Spur gegeben hätte.

Das Hauptkapitel des Filmes werden nun die beiden konkurrierend ermittelnden Spürhunde sein, tolle Schauspielerei. Doctor Green (Dustin Hoffman) ist ein berühmte Profiler. Er wird in langen Gesprächen mit Sam, wie er sie nennt, versuchen, Erinnerungen in ihr wieder lebendig werden zu lassen. Er ist ein raffinierter Ermittler. Die Gespräche werden von Beamten hinter einem Spiegel mitverfolgt. Es gibt Eingriffe von außen, mal ein Sandwich, mal ein Anruf. Meist spielt Doctor Green mit einem roten Ball. Ein wichtiges Thema wird das Labyrinth und ein Würfel, den es wie einen Zahlenkubus zu lösen gilt.

Da er früher mit der Suche betraut wurde, nimmt auch Bruno Genko (Toni Sevillo) den Fall wieder auf. Er führt in der bekannten Manier der Schnitzeljagd oder seriöser Ermittlungsarbeit den Thriller fort. Er ist hauptsächlich Geldeintreiber in Fällen plötzlich verschwundener Personen. Er hat als Hypothek den Befund einer tödlichen Krankheit mit nur noch kurzfristiger Überlebensperspektive. Er ist der souverän faszinierende Spürhund, der schlau ist und dem nichts Menschliches fremd sein dürfte. Er hat Beziehungen ins luxuriöse Milieu, zur Polizei und auch zu einem Typen, der ein riesiges Archiv mit Dokumenten über verschwundene Menschen verwaltet. Die Polizei sei bei ihm nicht gerade oft vor Ort.

Auf der Bruno-Seite kommt das Kaninchenmotiv ins Spiel, das zu einem treibenden Akteur wird, während in Krankenbefragungsraum das Labyrinthische die Angelegenheit rätselhaft macht. Der Film tut über weite Strecken dem Rationalitäts-Erkläranspruch des Zuschauers Genüge, eine Erkenntnis folgt auf die nächste, gegen Ende wandelt er sich mit einigen überraschenden Volten mehr dem Genre des Mysterythrillers zu.

Was die Marter der Opfer betrifft, bleibt es bei Andeutungen; es dominiert das typische Bild der wehrlosen Frau im weißen Nacht- oder Unterhemd – Bild der Ausgeliefertheit.

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