Schulung in der Position des Diskriminierten
Wenn ein Regisseur vor der Pressevorführung ein zweiseitiges Statement verteilen lässt, das man unbedingt vor dem Screening lesen soll, was darf man daraus schließen? Dass sich der Regisseur nicht sicher ist, ob sein Film auch verstanden werde? Oder dass er unbedingt möchte, dass der Film verstanden wird, weil es sich um ein engagiertes Herzensprojekt handelt? Letzteres dürfte bei Kobi Libii, dem Autor und Regisseur dieses Filmes, der Fall sein.
Es geht um eine Grundbefindlichkeit der Schwarzen in den USA, ein Gefühl, immer nur Steigbügelhalter für die Weißen zu sein, ein Gefühl des Übersehenwerdens, der Zweitrangigkeit und der Nebenrollenhaftigkeit. Ein deutscher Film hat sich schon am Thema Nebenrollenhaftigkeit, allerdings im Medienmilieu, abgearbeitet: The Ordinaries.
Kobi Libii möchte mit Satire gegen diese Grundbefindlichkeit der Schwarzen in den USA dagegenhalten. Mit Satire, die diese Befindlichkeit im Rahmen einer magischen Schule für Negroes drastisch übersteigert.
Die Ausgangslage, also diese fokussierte Grundbefindlichkeit der Schwarzen in den USA, wird in einer Vernissagenszene in der erwähnt übersteigerten Weise geschildert. Aren (Justice Smith) ist Künstler, Schwarzer und hat ein Kunstwerk aus an einer Wäscheleine aufgehängtem Garn ausgestellt. Aber Aren wird nicht als Künstler wahrgenommen. Er steht einsam neben seinem Werk. Auf allen anderen Werken sammeln sich die roten Punkt als Zeichen dafür, dass gekauft wurde. Bei ihm nicht. Da gibt es nur dämlich Fragen, ob es sich um Garn handle.
Die Galeristin verweist Aren an einen Sammler. Der hält ihn für einen Kellner und drückt ihm sein leeres Glas in die Hand. Das bringt Aren ordentlich zurück zur Theke. Unterwegs wird er ständig angerempelt. Man sieht ihn nicht. Er ist Luft für die weiße Society. Hinter der Theke steht Roger (David Alan Grier). Der führt ihn mit magischen Tricks ins Reich der Gesellschaft der magischen Schwarzen.
Hier lernen die Schwarzen, sich als Schwarze angemessen aufzuführen. Sie müssen lernen, den Weißen ein Gefühl der Sicherheit und der Überlegenheit zu geben. Man könnte philosophisch drüber legen das Philosophem, dass ein guter Diener der wahre Herr sei. Aber so weit artikuliert der Film nicht.
Der Film begleitet Aren bei seinem ersten Job, bei dem er weißes Unsicherheitsgefühl beseitigen soll. Es ist Jason (Drew Tarver), der bei einem Top-Internetunternehmen (die Mitarbeiter bauen zwischendrin aus Legoklötzchen das Chryslerbuilding nach, aber vielleicht ist es auch das Empirestate-Building) arbeitet. Jason braucht Unterstützung für sein Selbstbewusstsein.
In so einem Themenfilm, hat sich der Autor und Regisseur wohl gedacht, ist es besser noch eine Liebesgeschichte einzubauen, gar über eine sich abzeichnende Dreiecksbeziehung. So lässt er Lizzie (Ani-Li Bogan) in der Firma arbeit und ins Interessennetz der beiden Männer geraten. Allerdings sind in der magischen Schule keine Liebesverwicklungen vorgesehen, solche werden bestraft. Hier erhält der Film noch den religiösen Touch des Beichtens von Vergehen. Das Dreiecksverhältnis führt schließlich zu einem dramatischen Eklat vor der am Internet versammelten Mannschaft des Unternehmens und unter den Augen des CEO Mick (Rupert Friend).