Omen

Voll auf Kollision

steuert Drehbuchautor und Regisseur Baloji in seinem Film die Kulturen, die Hautfarben, die Religionen, die Geschlechter; worin Menschen sich unterscheiden und nur schwer mit umgehen können.

Es ist ein aufregender Aufriss der Familie Musoso aus dem Kongo. Vater ist Minenarbeiter. Mutter Mujila (Yves-Marina Gnahoua) hat das Sagen, auch in Bezug auf Vodoo, alte afrikanische Gebräuche und Familienleben.

Drei Töchter, die kuschen, bleiben brav zuhause. Der älteste Sohn Koffi (Marc Zing) ist nach Belgien ausgewandert, hat sich dort verliebt in Alice (Lucie Debay); sie erwartet Zwillinge von ihm. Die beiden schickt der Regisseur nun zum Familienteil im Kongo, um die Aussteuer zu bezahlen und die Schwiegertochter, die hochschwanger ist, vorzustellen.

Der Empfang fällt frostig aus. Dass Koffi unter Nasenbluten leidet und einige Tropfen davon auf einen wenige Tage alten Säugling aus der Familie fallen, ist eine Katastrophe. Für den Zuschauer fällt ein malerischer Exorzismus ab, heidnisch-katholisch-afrikanisch. Wie überhaupt Baloji nicht sparsam umgeht mit dem, was Afrika an Bildstärke abwirft, sei es von Kostümen und Gebräuchen, sei es von Minen- und Wüstenlandschaften oder auch die illegalen Wrestling-Veranstaltungen im Niemandsland mit einer Gruppe Jugendlicher, die alle in rosa Mädchenkostümen auftreten.

Einer davon ist der kleinere Bruder aus der Musoso-Familie, Paco (Maarcel Otete Kabeya). Ihm widmet der Film ein eigenes Kapitel, wie auch seiner Schwester Tshala (Eliane Umuhre). Die wieder hat einen schweren Stand in der Familie und will auswandern – allerdings nicht nach Europa, sondern nach Südafrika oder in ein anderes afrikanisches Land – weil sie einen deutlich jüngeren Freund hat. Der ist Lastwagenfahrer und holt sich unterwegs Geschlechtskrankheiten. Auch da sind Rituale gefragt; die moderne, westliche Medizin ist suspekt.

Bei aller Ausdrucksstärke, bei aller Emotion, bei aller Buntheit und Verwegenheit der Bilder: die Probleme unter den Menschen sind übertragbar auf ziemlich jede Kultur, jeden Kontinent, jede Zivilisation; dabei verhilft Lokalkolorit dem Film zu eigener Farbe; es können berufliche Klageweiber sein, die Trauerhäuser besuchen, oder Kaffewerber, die von Tür zu Tür gehen. So eingesetzt bewahren sie den Film davor, reine Black- oder Afrikaploitation zu werden; erheben ihn auf den Level eines Themenfilms fürs Weltkino.

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