Liuben

Liebe oder was?

Victor (Dimitar Nikolov) hat vor 12 Jahren das Dorf seiner Jugend in Bulgarien verlassen. Er ist nach Madrid gezogen, hat dort Architektur studiert und abgeschlossen.

Victor, das enthüllt der Film im Laufe des Fortgangs, das ist jetzt also ein Spoiler!, lebt in Madrid mit einem älteren Mann zusammen, der sein Vater sein könnte und betrügt diesen auch ständig mit jüngeren Männern. Auch das wird er erst im Lauf des Filmes gestehen. Das macht ihn zum nicht unbedingt nur sympathischen Protagonisten.

Der Tod seines Großvaters ist für Victor Anlass, in seine Heimat zurückzukehren, denn den Großvater scheint er sehr geliebt zu haben. Schnell kommt vom Straßenrand her die Titelfigur Liuben (Bojidar Inkankov Asenov) ins Spiel, ein junger Zigeuner, der sich mit seiner Sippe gerade im Dorf aufhält.

Liuben verkauft Wassermelonen auf einem Feld und macht Victor bei der ersten Begegnung an, verspricht ihm, dass sie sich wiedersehen würden. Die Braut von Liuben ist hochschwanger. Liuben hat keine Bildung, träumt davon, in Europa Coiffeur zu werden. Er wird so charakterisiert, dass er zwar offenen Herzens und offenen Blickes ist, dass man ihm aber nicht allzuviel Karrierchancen einräumen würde. Die Geschichte seiner Jugend mit Waisenhaus ist nicht berauschend, eine Schule hat er nie von innen gesehen. Seine Waffe ist seine Direktheit und seine unverbildete Natürlichkeit

Venci Kostov, Autor und Regisseur, schildert dieses bulgarische Dorfleben dicht und packend in der Art eines Dardenne-Realismus, dessen Kamera sich wie magnetisch von den Protagonisten angezogen fühlt und ihnen keine Sekunde von der Seite weicht.

Liuben taucht immer wieder bei Victor auf. Ganz widerstehen kann der nicht. Es wird zu dramatischen Entwicklungen kommen; eine große Liebesgeschichte dürfte es eher nicht werden. Musikalisch werden die Ereignisse teils begleitet von dieser melancholischen Balkanmusik, die so gut zu Beerdigungen als auch zu Volksfesten passt. Oft spielt der Alkohol eine Rolle und die Korruption dazu.

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