My Sailor, My Love

Kinder, die sich hingebungsvoll um ihre Eltern kümmern,

das ist vielleicht nicht das vordringlichste Thema unserer Zeit, speziell in Wohlfahrtsstaaten, in denen das Sozialwesen viel dieses Kümmerns übernimmt.

Trotzdem ist es auch heute noch zu beobachten, Kinder, die ihr eigenes Glück vernachlässigen, um für ihre Eltern dazu sein. Wie solche Verhältnisse zu bewerten sind, ist eine andere Sache, ganz natürlich ist es wohl nicht. Es kann zu Glücksstörungen, seelischen Störungen solcher Kinder führen.

Von so einem Fall erzählt in feiner Art Klaus Häro, der mit Jimmy Karlsson und Kirsi Vikman auch das Drehbuch geschrieben hat, in wundervoll irischer Location. Dieses weit von den Menschen entfernt im Grün und am Meer gebaute Haus, von außen unansehnlicher als von innen, idealer Raum für solche, die allein sein wollen oder einsam.

Es gibt die Ablenkungsgeschichte, die auf Anhieb vorhersehrbar wirkt. Der störrische Alte, Howard (James Cosmo), der allein in diesem wundervollen Haus am Meer lebt. Er lässt sich nichts sagen. Seine Frau ist gestorben. Zu Lebzeiten hat er sich vor ihrer Depression zur See geflüchtet. Tochter Grace (Catherine Walker) hat sich gekümmert.

Grace ist zur Zeit in einer Therapiegruppe. Diese gibt die Rahmenhandlung ab. Es sind Frauen, die speziell unter ihren Verhältnissen leiden, die beispielsweise von ihren Männern geschlagen werden, oder es von den Vätern wurden; Missbrauch.

Da Grace einen Job hat und der Vater so vernachlässigt lebt, will sie ihm eine Haushälterin organisieren. Annie (Brid Brennan) soll zweimal die Woche sauber machen. Hier spurt der Film auf eine vorhersehbare Klischeegeschichte ein. Handelt dieses aber kurz und bündig und umstandslos ab.

Zum Leidwesen von Tochter Grace funkt es, für den Zuschauer wie gesagt absehbar, zwischen Herrn und Haushälterin. Hier dürfte Eifersucht um Einfluss auf ihren Vater ins Spiel kommen. Auch hat Grace bald Kapazitäten frei, da ihr gekündigt wird und ihr Mann Martin (Aidan O’Hare) ein Jobangebot aus München bekommt.

Es ist ein Film mit viel Angedeutetem und viel Ungesagtem, mit wenig Fingerzeig, mit viel Raum in der irischen Einsamkeit für diese menschlichen Bestrebungen, Enttäuschungen, Hoffnungen, Verstrickungen, auch gesundheitliche Unfälle und dann doch wieder für Verständnis und Liebe. Ein Film der zeigt, dass es um das Klischee des alten, störrischen Eigenbrödlers herum viel mehr und beachtlich Differenzierteres zu entdecken gibt.

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