Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Zeit der Unschuld

Höchst sensibel vibrierend beschreibt Aitch Alberto, die mit Benjamin Alire Sáenz auch das Drehbuch geschrieben hat zu diesem Coming-of-Age-Film, die letzte Phase der Unschuld im Leben der beiden 16-Jährigen aus El Paso, Aristoteles (Max Pelayo) und Dante (Reeze Gonzalez).

Sie sind beide Außenseiter in der Macho-Gesellschaft, in der sie aufwachsen. Aristoteles kann nicht mal schwimmen. Aber er mag es auch nicht, wie seine Altersgenossen zusammencliquen, diese Gruppendynamiken und -zwänge, er meidet die Parties. Um seinen älteren Bruder, der im Gefängnis einsitzt, gibt es ein Geheimnis. Das Thema ist tabu in seiner Familie, die in einfachen Verhältnissen in einem schlichten Bungalow lebt; Bücher sind nicht gerade das, was hier ins Auge sticht.

Dante tritt unvermittelt in sein Leben. Aristoteles hat sich im Schwimmbad an den Beckenrand getraut, hält sich fest und wird von oben angesprochen von Dante, dem sofort klar ist, dass Aristoteles nicht schwimmen kann. Ganz ungezwungen bringt Dante es ihm bei. Das ist eine Übung in Vertrauen fassen. Die lässt die beiden auch sofort spüren, dass sie etwas verbindet, wenn es vorerst auch nur ein gewisses Außenseiterum ist.

Die Freundschaft intensiviert sich, aber es bleibt offen, das macht es so aufregend, in welche Richtung das gehen wird. Ganz konkret ist es der Blick ins Universum mit einem Sternrohr am Rande der Wüste und mit kaum Lichtverschmutzung.

Die Reinheit des Blickes. Die beiden führen sich gegenseitig bei ihren Familien ein. Dantes Vater ist Autor, Dante bringt die Bildung in die Beziehung und Bücher in die Wohnung von Aristoteles.

Ein nächtlicher Unfall, bei dem Artistoteles Dante in letzter Sekunde das Leben rettet, vertieft die Freundschaft; setzt aber auch Narben.

Dante plant, in Chicago zu studieren. Die beiden Freunde schreiben sich Briefe und Dante kommt dabei auf das Thema Sexualität zu sprechen. Von da an wird es schwierig für Aristoteles, der sich für das Thema offenbar noch wenig interessiert und bei einem Kussversuch mit Dante brüsk zurückweicht.

Es kommt zu dramatischen Entwicklungen, nachdem Dante sich geoutet hat, bis die Zeit der Unschuld vorbei sein wird.

Mit Max Pleayo und Reeze Gonzalez hat die Regisseurin einen faszinierenden Cast gefunden, besonders Max Pleayo ist von einer Art fast ritterlicher Männlicheit bar jeglichen Machotums, dem man vor allem eine queere Neigung kaum zutrauen würde; andererseits wirkt er als ein Spezialfall von Offenheit, Unentschiedenheit in der Zeit vor dem Verlust der Unschuld. Der Film spielt ab Sommer 87, die Zeit der Hochkonjunktur von AIDS und der damit einhergehenden Schwulenfeindlichkeit.

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