Gier nach Gold. Ein Krimi aus Passau (ARD, Donnerstag, 1. Februar 2024, 20.15 Uhr)

Bei diesem neuen Krimi aus Passau durfte wieder Michael Vershinin das Drehbuch schreiben und Felix Karolus durfte von Redaktionsgnaden von Claudia Luzius und Katja Kirchen die Regie führen.

Es fängt actionhaft an mit einer Motorradgang und dem Niederschlagen des Schmiedes Höllriegel, der Emaillier ist (Hubert Schmauser), und man hat das noch nicht verdaut, bringt der Drehbuchautor dankenswerterweise das inzwischen vernachlässigte Thema des Zeugenschutzprogrammes wieder ins Spiel: auf Frederike Bader (Marie Leuenberger) ist in Berliner Gangsterkreisen ein Kopfgeld ausgesetzt und nicht nur auf sie, in Sippenhaft wird auch Polizeichef Mohn (Stefan Rudolf) genommen. Das ist immerhin eine Exposition.

Aber, um es spannender zu machen, wird jetzt, eher schwer, wie der Teig im Brot, eine Texas-Passau-Heimkehrer-Rühr-(Fernsehteig)Geschichte eingeführt, vermengt mit einer Musikauftritt-Story und die gute, overdressde Bäckerin (Bettina Mittendorfer) darf auch noch die Kamera übernehmen. Etwas arg nett und gemütlich ist die Putzfrauennummer mit den Bikern beim Höllriegel geraten.

Die Konstruktion mit Mia (Nadja Sabersky) als Journalistin mit Zugang zu den Archiven der Presse ist sinnig; das Witzchen mit dem Entsafter dünn.

Gute Beobachtung des Autors: wie das Englisch immer mehr ins Deutsche und ins Bayerische eindringt.

Der Emaillier (falls es diese Bezeichnung für einen Mann, der Email herstellt so überhaupt gibt), der ist zwar prima gespielt, aber als Rolle vom Drehbuch her dünn konstruiert, auch die Beziehung zu Franzi. Detektivlyrik: Gespräche die die beiden (Leuenberger und Ostrowski) beim Observieren führen, die haben Potential über die Fernsehdurchschnittsware hinaus.

Die Story ist arg überkonstruiert vom Email-Fälscher („wir brauchen jetzt nicht den ganzen Familienstamm“ – und dann gibt es doch noch sehr viele, sehr verwirrende Erklärungen, samt Referenz auf Schwarzmarkt und Nachkriegsdeutschland und dann endlich die Spur zur Kriegsbeute), seine Beziehungen, die Rockergang, die falschen Orden nach Mexiko, die Amistories, warum kann sich so ein Drehbuch nicht mal auf eine einzige Story beschränken und diese dafür spannend erzählen – wieviel reden da die beiden Redakteurinnen mit?

Hubert Schmauser spielt den Emailisten überzeugend als einen verzweifelten, niedergeschlagenen Mann. Das reicht zwar für Schauspielerkomplimente, nicht aber für die Schaffung von Interesse für die Story, wenn der Hintergrund zu papieren ist, die Figur nicht genügend durchdacht.

10 Minuten vor Schluss ist alle Spannung raus, weil der Schatz gefunden ist; nun wird der BR-Degeto-Ami-Rührteig ausgewalzt bis die anderthalb Stunden um sind.

Vielleicht wäre es für so eine Serie wirklich spannender, ein Einzelschicksal mit einem einzigen Projekt, zB das des Ami-Touristen Dave (Jeff Zach), in den Mittelpunkt zu stellen, der in die Serienkonstellation hineingerät und sie am Laufen hält.

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