Roxy

Taxautista

Regisseur und Drehbuchautor Dito Tsintsadze hat seinem Protagonisten, das ist nicht der Hund Roxy, sondern ein Taxifahrer und Ich-Erzähler und Autist dazu, eine auch für einen glänzenden Schauspieler schier unlösbare Aufgabe gestellt.

Das deutsche Kino fährt offenbar zur Zeit auf Taxifahrer und Autisten ab und Tsintsadze will dem eins draufsetzen. Joachim Krol durfte schon in 791 KM einen undankbar geschriebenen Taxifahrer spielen, der weder richtig Charge noch richtig Protagonist war und am Schluss immerhin einen emotionalen Ausbruch am Grab seines Sohnes als Zückerchen bekam. Um einen exzellent geschriebenen und gespielten Autisten-Buben durfte sich Florian David Fitz in Wochenendrebellen kümmern.

Jetzt ist Devid Striesow dran und soll einen autistischen Taxifahrer spielen. Nach der eigenen Definition würde das nicht passen, denn ein Autist hat vor nichts mehr Angst als vor unbekannten Situationen. Und just solchen ist ein Taxifahrer tagtäglich ausgesetzt, jeder neue Gast müsste für ihn eine Bedrohung darstellen.

Solche erlebt Striesow hier im Film mit den russischen Fahrgästen, die sich samt riesigem, schwarzem Kampfhund in sein Auto drängen. Es sind keine harmlosen Passagiere. Sie sind auf der Flucht. Aber unser Autist lässt sich nichts anmerken, ja er lässt sich auf weitere Wünsche seiner Kunden ein, lässt sich zu ihrem Fluchthelfer machen gegen viel Geld. Als ob Autisten auf Geld besonderen Wert legen würden und so leicht käuflich seien, wie viele andere.

Das Drehbuchkonstrukt schreibt ihm eine Verwandte zu, die in einer Bar arbeitet und die er smart kontaktiert, wirklich geradezu atypisch für einen Autisten. Diese wiederum gibt den Tipp von einem Schauspieler, der falsche Papier besorgen kann, gegen viel Geld, auch das ein Konstrukt, das vielleicht die enorme Ambition des Filmemachers nach dem großen Thriller indiziert, gleichzeitg aber auch die ärmlichen Produktionsbedingungen offenlegt.

Im Theater muss prompt eine Szene aus Hamlet geprobt werden, eine Verjuxung des Sein-oder-Nicht-Sein-Monologes, wau, sind wir kulturkritisch.

Es wird schon klar, was Dito Tsintsadze fasziniert, der Biedermann, der in eine Verbrechergeschichte reingerät und widerstandslos mitmacht, ja der eigene verbrecherische Begehrlichkeiten entwickelt.

Nur, ein Biedermann und ein Autist, sind grundlegend verschiedene Dinge. Warum muss diese Taxifahrerfigur so masslos überladen konstruiert werden, zu schweigen, von der ihr zugeschriebenen Genealogie, Vorfahren: zuerst waren sie stramme Nazis und anschließend ebenso stramme Stasi-Leute, und Striesow ein Einzelkind dazu, als ob diese Dinge den Autismus erklären sollten oder würden oder könnten.

Dabei lenkt das alles vom vermutet zentralen Plotpunkt ab, Biedermann und sein Verhältnis zum Verbrechen, ja entzieht diesem geradezu den Boden.

Dagegen scheint der Filmemacher mit diesem Film die Frage beantworten zu wollen: wie schlägt sich ein Autist als Taxifahrer (rein theoretisch selbstverständlich möglich) und wie verhält sich ein Autist zum Verbrechen. Eine Fragestellung, die wohl nur einen überschaubaren Personenkreis interessieren und also ins Kino locken dürfte.

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