Wer nichts hat, geht leer aus
Amir (Hamid Reza Abbasi) ist ein junger, filmhübscher Iraner, ein unbeschriebenes Blatt, wertneutral weltoffen und agil-servil. Charakter schimmert durch bei seinem Job in einem Hotel, wie er im eleganten Kellner-Frack sich traut, seinem Chef zu widersprechen, der bei einer opulenten Hochzeitsfeier das Essen nicht auftragen lassen will, weil der Kunde die Vorauszahlung nicht leistet.
Amir ist somit seinen Job los. Er hat ein heimliches Techtelmechtel mit der hübschen Narges (Sadif Asgari) aus einer mehrbesseren Familie, während Amir bescheiden mit seiner Mutter (Ali Bagheri) lebt, die Gemüse einkocht und verkauft.
Der romantische Treffpunkt des Liebespaares ist eine Bauruine direkt am Meer, die Gerüste, die das Gießen des ersten Stockes abstützen, stehen noch. Narges drängt Amir, um ihre Hand anzuhalten. Aber die Eltern bringen einen standesgemäßen Freier, Sohn einer befreundeten, ebenfalls gut betuchten Familie, ins Spiel. Alles eine Frage des Geldes. Ohne Job macht man da keine gute Falle.
Bei der Jobsuche erfährt Amir eine Abfuhr nach der anderen. Mit seinem Motorrad gelangt er zu Fischern, die anderthalb Stunden entfernt ihr Geschäft betreiben; nicht nur seriös. Wie soll man von dem vielen Müll und den wenigen Fischen in den Netzen eine Existenz aufbauen. Boss Ghasem (Bezhad Dorani) ist ein Ausbeuter und heimlicher Kaviar-Fischer. Amir teilt das bescheidene Zimmer mit Omid (Keyen Mohamadi), einem gesuchten und verfolgten Blogger, der übers Meer flüchten will.
In der Art eines iranischen Neo-Neo-Realismo erzählt Behrooz Karamizade in diesem vom deutschen Fernsehen mitproduzierten Film schnörkellos wie streng nach klarem, holzschnittartigem Storyboard seine Geschichte, die von Freiheit träumt, von einer besseren Zukunft, davon, dass man sich etwas aufbaut im Leben und sich doch in den engen Schranken einer letztlich kapitalistischen Gesellschaft bewegt, in der jeder auf seine Art versucht, ein Stück vom Kuchen zu erhaschen; und wenn es nicht auf legalem Wege geht, dann eben anders.