Die menschliche Fantasie
und diejenige des japanischen Ghibli-Zeichentrickstudios und hier ihres Autors und Regisseurs Hayao Miyazaki scheint unerschöpflich, wenn es darum geht, verwirrend schöne Bilder von Fantasien und Magien zu finden, die einen menschlichen Entwicklungsweg als Bildergeschichte erzählen, das Coming of Age des Jungen Mahito.
Die Erzählung fundiert in konkreten Erlebnissen und in einer konkreten Familiensituation, bevor sie implodiert oder explodiert oder aus der Bahn der Rationalität geworfen wird.
Japan im vierten Kriegsjahr, also der Zweite Weltkrieg vermutlich. Mahito ist ein Schuljunge und lebt mit Vater und Mutter in Tokio. Ein traumatisches Erlebnis beendet diese Lebensphase. Mutter kommt bei einem Spitalbrand ums Leben. Vater zieht mit dem Sohn aufs Land zu einer neuen Frau, die bereits ein Kind von ihm erwartet, und wird dort Fabrikdirektor. Man wohnt herrschaftlich.
Beim Personal fängt es an, seltsam zu werden, das sind sieben kleingewachsene Frauen wie Hexen, die stets zusammenklüngeln und sich wie die Mainzelmännchen über den Koffer hermachen, den die Ankommenden mitbringen.
In der Schule fällt negativ auf, dass Papa Mahito mit dem Auto hinbringt. Der Bub wird gemobbt. Aber er ist kein Engelchen. Er bringt sich auf dem Nachhauseweg eine blutige Verletzung am Kopf bei.
Schon bei der Ankunft reagiert der Graureiher auf dem Haus ungewöhnlich stark auf den Jungen. Gleich beim ersten Spaziergang entdeckt Mahito den zugewachsenen Turm. Der Reiher hat ihm den Weg dahin gewesen. Hier fängt vollends der Irrgarten der Fantasie-, die Magie-, die Geisterwelt an, in die sich Mahito nun begeben wird inklusive Suche nach der Mutter.
Beim Turm fällt einem Stephen King ein. Der Turm ist voller Geheimnisse. Es gibt eine historische Begründung, warum er zugemauert sei. Und es gibt eine legendenhaft metaphorische, dass er vom Himmel gefallen sei. In diese Welten, die immer durch magische Türen zu erschließen oder zu verlassen sind, gerät Mahito hinein. Sein Führer und Begleiter wird der Reiher sein, wenn auch in anderer Form. Über Toten- und durch Wunder- und Machtwelten von Sittichen wie Pelikanen wird Mahito bis zum Weisen und dessen Stein gelangen. Es sind poetisch harte Welten. Nur die Wararawa sind wie diejenigen süßer Minons.
Wermutstropfen ist die deutsche Synchro: die ist lieblos, hat keine Empfindung für die Poesie dieser Zeichnungen und Geschichten; also unbedingt im Original mit Untertiteln anschauen.