Kash Kash

Tauben über Beirut

Friedenstauben? Das auch. Bei einer Demo in Beirut wird ein Schwarm von seinen Züchtern und Besitzern freigelassen. Bewusst gemischt in den Farben, die das tolerante Zusammenleben der Menschen symbolisieren sollen. Aber es sind nicht nur Friedenstauben, es sind auch Ablenkungstauben, die da in großen Verschlägen auf Hausdächern in der Nähe vom Hafen von Beirut von jungen Männern gehalten werden.

Vielleicht sind es nur junge Männer, die dieses Hobby pflegen oder die Dokumentaristin Lea Najjar, die mit Ali Haju auch das Drehbuch schrieb, hat sich für junge Männer als ihre Protagonisten entschieden. Beschäftigt sind sie als Fischer oder Friseure oder als Bootsfahrer, die Touristen zu den Todesklippen fahren.

Es sind junge Männer, die zwar nicht verhungert aussehen und die auch nicht politisch verfolgt werden, zumindest ist solches nicht zu erfahren, aber sie alle wollen nach Europa, sie wollen bessere ökonomische Bedingungen, die Inflation ist horribel, die ökonomische Lage im Libanon katastrophal, die Währung im freien Sturz.

Trotzdem halten die jungen Männer an ihrem Taubenhobby fest. Es ist eine Dokumentation in der Art des Adabei. Die Dokumentaristin ist dabei beim Leben ihrer Protagonisten, manchmal stellt sie auch entfernt hinter der Kamera die eine oder andere Frage.

Die Taubenzüchter veranstalten Wettbewerbe. Es gibt berauschende Formationsflüge ihrer Schwärme am Himmel, Vermischungen von zwei Schwärmen. Vom Dach aus versuchen die Männer sie zu manipulieren, mit Orangen, die sie in die Luft schießen, sie zu bewegen, mit Pfeifen sie wieder zurückzulocken gar mit Netzen auf den Dächern auch andere Tauben einzufangen.

Es gibt Dinge, von denen nicht klar ist, ob die vom Gesichtspunkt des Tierschutzes her korrekt sind, wenn den Tauben Federn gekürzt oder gar abgeschnitten werden.

Über die Betrachtung des Lebens dieser junge Männer gibt es Einblicke ins Leben des maroden Libanon. Die Politiker seien Schuld.

Die Explosion im Hafen von Beirut von 2020 wird life miterlebt, die Kamera darf sofort in einer arg beschädigten Wohnung sich umsehen, alles Glas zersplittert, wie nach einem Erdbeben sieht es aus. Einige Tauben habe es auch erwischt. Aber die jungen Männer machen weiter mit den Tauben, die lassen sie den Blick vom Elend der Stadt gegen Himmel wenden.

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