Falling into Place

Männchen-Weibchen-Spiel
in Zeiten der Dating-Apps

Fremde in der Heimat suchen, die Heimat im Fremden…? Männchen-Weibchen-Spiel ziemlich direkt im Nachtleben der fremden Heimat – Portree Skye auf der größten der zu Schottland gehörigen Inseln der Innern Hebriden. Manche müssen weit gehen, um zu sich und ihrem Glück zu finden. Sie landet im Hotelzimmer, er bei Mama, die möchte, dass er diesmal seine Schwester besuche.

Ziemlich klare Exposition in diesem Film von Aylin Tezel, die auch die weibliche Hauptrolle spielt, wie die Wege von Kira (Aylin Tezel) und Ian (Chris Fulton) sich aufeinanderzufädeln, mindestens aus Sicht der Kamera. Auf der „One Way“-Straße albern sie rum, nachts, dann hocken sie in menschenleerer Straße zwischen Dog Grooming und Take Away, er buckelt sie. Und nach kaum einer Viertelstunde gibt es ein tiefsinniges Gespräch zwischen ihr und ihm über den Sinn des Lebens, der nur Ablenkung vom Tod sei. Womit der Libertinage ein Wort gesprochen ist.

Kira spielt mit Ian, obwohl sie längst entdeckt hat, dass er der Freund einer Freundin von ihm ist – dank der sozialen Netzwerke, dem Teilen der Bilder. Sie durchseuchen in kurzer Zeit eine heftige Phase des Albern-Anbandelns, in die mittenhinein ein Notruf von zuhause von Ian platzt, da haut der Ernst der Familienkrise von Ian um Schwester Anna hinein.

Themen wie Handlinienlesen, ob man immer wieder auf denselben Menschentypen steht, wie es ist mit Sex mit anderen nach einer Trennung, über klarerers Sehen dank Zaubersand, über die Dating-App-Generation, gar über die Fragilität eines Mannes und in welcher Farbe die darzustellen sei, über gegenseitige Verletzungen, über Flucht und ihr allfällig Verbindendes.

Es geht um Albernheit und ehrliche Gefühle. Schwierig, wenn für Ian solche bei mehr als einer Frau möglich sind, als Zärtlichkeit mit dem Heimatabenteuer oder als Gefühlsausbruch über verdrängte Familiengeschichten bei der aktuellen Londoner Freundin Emily (Alexandra Dowling). Und dann fordert auch noch der Musikimpresario, der Songwriter-Künstler solle was Eigenes, was Ehrliches bringen. Ob er fähig sein wird, Mitgefühl und Verantwortung zu entwicklen?

Kira wiederum hat viele Verletzungen und Neuversuche mit Aidan (Rory Fleck Byrne) hinter sich und glaubt nach dem Zärtlichkeitserlebnis mit Ian sich definitiv für Aidan zu entscheiden. Der aber spielt nicht mit. Ihr Spiel mit den Männern verwirrt sie aber selbst am meisten und fängt an, ihre Karriere als Bühnenbildnerin zu gefährden. Sie hat auch Bilder von Ian angefertigt.

Zusatzproblem für die Protagonisten: in Künstlerkreisen läuft man sich immer wieder übern Weg. Das kann durchaus Vorteile haben, vor allem dramaturgische und da muss man nicht unbedingt reden miteinander, man könnte ja einfach wortlos tanzen zum Song „Falling in Love“.

Solche Filme müssen sich entscheiden für einen defintiven Ort, wo die Liebe hinfällt; der Deckel muss auf den passenden Topf passen; das wird auch diese smart erzählte Romantic Comedy erfüllen, klassisch schön nach vielen Wirrungen, fast wie bei Éric Rohmer.

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