Trail der Träume

Savas läuft und läuft und läuft

Er ist ein Mann mit Mission, ein Mann, der Träume wahrmachen will, ein Mann, der Menschen inspirieren will, er ist ein gläubiger Muslim, Einwanderer der zweiten Generation aus Bremen, er ist ein Mann mit Aura, ein begnadeter Selbstdarsteller mit Ausstrahlung und Humor und er ist ein Mann, der nicht sein Leben in einem Job verbringen will, der ihn anödet: Savas Coban.

Er ist ein Mann, der mit diesem Film, also mit seiner Extremsportleistung, die darin dokumentiert wird, den Sprung in ein besseres Leben schaffen will, in eines, das nicht ohne Geld und Zukunft ist. Es ist sein Sprung in das Leben eines professionellen Extremsportlers.

Darin unterscheidet er sich deutlich von Lukas Borchers, der in Kurs Südwest seine eigene Coming-of-Age-Reise ganz selber dokumentiert.

Das Projekt von Savas Coban ist der Ultralauf über 5170 Kilometer in 87 Tagen als Rundkurs durch Peru, jeden Tag mehr als die normale Marathonstrecke, eine enorme physische und vor allem Willensanstrengung durch die extrem unterschiedlichen Klimazonen von Peru, ausgehend von Lima, Küste, Meer, gesichtslose Städte, Wüste, Hochgebirge, Dschungel.

Begleitet wird Savas Coban von einem Filmteam um Steffi Rostoski, die mit Dorit Jeßner auch das Drehbuch geschrieben und das Material zu einem flott-süffigen Film zusammengeschnitten hat.

Teils filmt Coban sich selber, man sieht ihn vor Schmerz schreien oder in die Kamera behaupten, er schaffe das.

Der Film gibt einen interessanten Eindruck von Peru und geht sparsam mit den üblichen Folklore-Einsprengseln um. Mehrfach gerät der Läufer in politische Demonstrationen, das Kamerateam muss auch mal zurückbleiben. Es gibt appetitliche Bildern vom Essen, wobei ihm gelegentlich sein Vegetariertum zum Problem wird.

Der Film fängt an als eine anrührende Homestory, gibt Einblick in Cobans Herkunft aus Bremen in einem Haushalt, in dem ein Vater nicht vorhanden war, dafür eine fürsorgliche Mutter und Schwestern. Hier formuliert er auch seine Berufswahl, nicht die schlechteste Methode, nämlich via negationis, also mit Ausstreichen von Berufen, die nicht in Frage kommen. Da bleibt für ihn, der in der Jugend auch Kampfsport gemacht hat, das Extremläufterum übrig. Und das meistert er, zumindest für den Zuschauer im Kino, bestens, der sich ermutigt fühlen darf, seine eigenen Träume ernst zu nehmen und nicht gleich als unerfüllbar abzutun, der sich zutrauen soll, sein ganzes Potential auszuschöpfen.

Der Film ist, wenn man so will, auch das Dokument einer gelungenen Integration von einem Menschen, der seine Position gefunden hat in dieser unserer kapitalistischen Gesellschaft, der sein Geschäftsmodell entwickelt hat.

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