Störung

Die perfekte Welt,

die gibt es nur auf der Bühne, die ideale Welt ist nur auf der Bühne möglich; nur hier kann der Autor Fortschritte in seinem Denkkabinett machen; der Rest ist Störung und Scherben. Der Rest ist Traumatisierung, Flucht, Psychiatrie, der Wunsch nach Suizid. So herauszulesen aus den nachgelassenen Texten eines Freundes von Regisseur und Drehbuchautor Constantin Hatz.

In ruhigem Schwarz-Weiß inszeniert Constantin Hatz die Fragmente mit verschiedenen Protagonisten, die die Textstücke voice-over oder live sprechen. Dass der Autor derselbe ist, wird schnell klar, dass der Text auf unterschiedliche Leben übertragbar und somit von einer allgemeinen Gültigkeit ist, auch.

Es sind die Probleme von Krieg und Flucht, von Vertreibung und Tod, auch von Krankheit, vom Ankommen in einer fremden Welt und sich darin fremd befinden allein schon durch den Mangel an Sprachkenntnis.

Es geht darum, dass ein Hirn das alles nicht fassen und verarbeiten kann. Es geht um den Versuch, beispielweise als Holzfäller fernab der Menschen und mit konkretem Arbeiten die beunruhigenden Probleme zu bewältigen.

Ganz konkret beschreibt der Autor, wie sein Vater von Soldaten brutal abgeführt wird oder die schwere Erkrankung der Mutter; die Erinnerung an einen toten Mann im Minenfeld, aber auch Züchtigung im Kinderheim; wörtlich zitiert werden Dialoge aus der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie.

An Außenräumen gibt es deutschen Wald oder karge, eher mediterrane Landschaft; Innenräume sind nebst einer Bühne, schablonenhaft steril eingerichtete Wohnungen oder Institute monolithischer Neubebauungen.

Die Monologe werden von den Darstellern unaufgeregt sachlich gesprochen.

Vielleicht kann der Film gelesen werden als eindringliche Illustration der Gedanken eines Menschen, der hier nie angekommen ist, nie ankommen konnte – als ein Menetekel über all den aktuellen Fluchtbewegungen, die ja von Menschen, von erwachsenen Menschen, Politikern, in Gang gesetzt werden.

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