Saw X

Wer bestraft hier wen?

Es hat Gott wohl John Kramer (Robin Bell) mit Krebs bestraft – unheilbar meint die Schulmedizin. In der Verzweiflung greift der Todkranke zu jedem Strohhalm. Kramer lässt sich mit Cecilia Pederson (Synnove Macody Lund) ein, die angeblich mit Experimenten weit jenseits der Schulmedizin Patienten vorm sicheren Tod bewahrt.

Die Sache ist so illegal, dass nur konspirativ zusammenzukommen ist. In Schweden ist Cecilia und ihren Mitarbeitern der Boden zu heiß geworden. „Ganz zufällig“ kann Cecilia Kramer dazwischenschieben und einen schnellen Termin beim Pederson Project in Mexiko arrangieren; hört sich seriös an, wenn von Wachkraniotomie gesprochen wird. Gegen viel Geld, das versteht sich von selbst.

Anfangs des Filmes wirkt Kramer schon leichenblass. Das wird sich im Zuge des Filmes von Kevin Greutert nach dem Drehbuch von Pete Goldfinger und Josh Stolberg ändern, indem die Hautfarbe wider rötlicher oder bräunlicher, auf jeden Fall gesünder wird.

Kramer durchschaut die unsaubere Praxis des illegalen Heilbetriebes und fängt auf seine Art an, die Beteiligten zu bestrafen. Das passiert auf ganz abscheuliche Weise nach dem Prinzip, dass der Gestrafte in Ketten ist und sich nur durch Selbstverstümmelung wieder befreien kann, was wohl das Prinzip dieser inzwischen längst schablonenhaften Reihe „Saw“ zu sein scheint und ergibt eine schwer erträgliche, vor allem überwiegend sinnfrei wirkende Bilderstrecke just wegen dem Schematismus, so dass die Straffrage weiter gestellt werden kann: ob hier der Zuschauer bestraft werden soll und wenn ja, wofür.

Hat er es verdient, dass auch noch ein holder Knabe, Diego (Joshua Okamoto), in diesen hochmoralischen Prozess mit hineingezogen werden muss? Vorher hat sich die Straffrage schon innerhalb des Filmes umgekehrt, ob vielleicht doch Kramer von der Heilerin bestraft werden soll und wenn ja, wofür.

Nach so viel brutaler Bestrafung rundum kann die Welt nur noch eine bessere werden.

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