Dem Vergessen entreißen
Mit diesem sehr gepflegten und geschmackvollen gerade mal einstündigen Biopic versucht Markus Mörth die Erinnerung an den einst glanzvollen österreichischen Filmstart Marisa Mell aufrechtzuerhalten verbunden mit einem Blick in die grandiose Zeit der 60er von Cinecittà, als Rom der Nabel der internationalen Filmwelt war.
Nach Rom hat es bald schon nach der Entdeckung in Wien, nach Reinhardt-Seminar und ersten deutschen Filmen in Berlin Marisa Mell verschlagen, hier ist sie aufgeblüht, hier hat sie mit ihrer umwerfenden Schönheit hingepasst, ein Mädel der Zeit, des Zeitgeistes, so wie die meisten Filme, die sie gedreht hat, wohl waren.
Das genau ist die Krux in der Haltbarkeit von Marisa Mells Berühmtheit, dass die Filme überwiegend vergessen sind, dass es nicht auch nur den einen Film gibt, mit dem man sie assoziiert.
Immerhin brachten sie diese Filme damals in die USA bis an den Broadway. Doch Mata Hari, die sie spielte, floppte, hievte sie nicht hoch in die Liga der Hollywood-Stars. Mit dem Abflauen des römischen Kinowunders war auch sie weniger gefragt. Sie war sich nicht zu schön, in Wien im Kellertheater zu spielen. Die Filmangebote kamen zusehens aus dem Softpornobereich.
Gediegen inszeniert Markus Mörth seine Interviewpartner, allen voran die beeindruckende Erika Pluhara, dann die Schwester seiner Protagonistin, einen Buchautor sowie weitere Künstler, Weggefährten.
Sorgfältig ausgewählte Texte aus einem autobiographischen Buch und Archivaufnahnen von Interviews, von Drehbarbeiten und aus Filmen runden das Bild von Marisa Mell ab, was sie früh als Künstlernamen angenommen hat, denn Marlies Theres Moitzi wäre für einen Leinwandstar schwer vermittelbar gewesen.
Das Träumerelement, von dem Marisa Mell früh schon spricht, übernimmt Markus Mörth gerne mit Aufnahmen von barocken Deckengemälden oder Innenräumen, über und durch die er die Kamera schweifen lässt.