Die Verschwundene
Diese Dokumentation von Paloma Zapata, die auch gleichzeitig ihre Recherche mit ihr als Protagonistin dokumentiert, handelt von einer rätselhaften Flamenco-Tänzerin, die nach einer brillanten Karriere von einem Tag auf den anderen von der Bildfläche verschwunden ist.
Das mag mit einer für Tänzerinnen ungewöhnlichen Eigenschaft zusammenhängen, dass sie gehörlos was, wohl wegen einer Meningitis, andererseits aber für die Schwingungen der Musik absolut empfänglich; sie tanzte Flamenco mit einem Ausdruck von Wut, Schmerz, ohnen einen Hauch von Anbiederung, mit einem autarken Tanz, nach dem die Musik sich richtet.
„Die Singla“, das ist Antonia Singla, die 1948 in Gitano-Viertel Somorrostro bei Barcelona zur Welt kam. Die Zigeuner, wie sie in der deutschen Untertitelung – die bei weißem Hintergrund nicht zu lesen ist – heißen, wohnten in selbstgebauten Hütten am Stadtrand zwischen Meer und Bahngleisen. Ein Gesetz erlaubte es, diese stehen zu lassen, sobald sie ein Dach hatten; also seien sie nachts errichtet worden, bevor die Polizei kam.
Wer weiß, was Antonia als Kind erlebt hat, welchem Schmerz sie im Tanz Ausdruck verleihen musste, was sie so faszinierend macht. Es gibt genügend Archivmaterial von ihr, sogar ein Film ist mit ihr als blutjungem Mädchen gedreht worden.
Wie der Erfolg sich immer mehr einstellt, kommt auch der Vater zurück. Der wittert ein Geschäft und wird ihr Mananger, behält sie eifersüchtig im Auge. Sie macht Tourneen in Europa, ist eine Sensation.
Und urplötzlich – von einem Tag auf den anderen – ist sie weg vom Fenster. Und keiner scheint sie zu vermissen. 50 Jahre lang. Bis die spanische Filmemacherin Paloma Zapata im Internet auf Clips mit der Tänzerin stößt und anfängt, sich für La Singla zu interessieren und eine spannende Recherchereise antritt, als deren sehenswertes Ergebnis dieser Film entsteht. Ja, so tanzen, das berührt einen im Innersten, das lässt jede Faser im Zuschauer erschaudern.