Die antiautoritäre Savanne
Gegen alle Weltuntergangs- und Paradise-Lost-Szenarien dieses Filmes von Matto Barfuss (Maleika) scheint der Idealismus, der gute Wille zur Weltrettung, der Wunsch nach Friede und Paradies in den Himmel zu sprießen.
Vor allem scheint die Hauptfigur, im Bild ist das ein Erdmännchen namens Eddi Erdamnn, auf der Tonspur wird dieser maximal chargiert und engagiert gesprochen von Peter Nüesch, ein Problem mit Autoritäten zu haben, mit Bossen, Manangern und Chefs. Sie sieht das ganze Tierreich durchdrungen vom üblen Chefgedanken, der offenbar Schuld daran ist, dass das Okawanga-Delta austrocknet oder dann unter zu viel Regen leidet.
Der Film ist eine schnelle Kompilation faszinierender Tieraufnahmen bei gleichzeitiger Trägheit schwer-süßer Musik. Elefanten, Giraffen, Löwen, Geparde, Antilopen, Gazellen, Geier sind einige der Protagonisten.
Der Film zeigt auch, ganz gegen den Trend moderner Tierfilme, dass das Töten, das Fressen und Gefressenwerden dazu gehören. Gleichzeitig moniert er aber das Imponier- und Hierarchiegehabe von Raubtieren als Bossgehabe. Dagegen scheint der Film oder seine Macher so richtig allergisch zu sein. Das verwirrt in manchen Momenten auch, wenn wieder der Mensch Krone der Schöpfung und Verwüster des Planeten ist und die Welt ohne Menschen als paradiesisch und harmonisch – im Gleichgewicht – dargestellt wird.
Der Film will nichts beschönigen. Es kommt ein Löwe vor mit einem riesigen Hautauswuchs, einer Beule, die schwer an ihm runterhängt.
Der Film zeigt Kopulationsszenen und kommentiert gleichzeitig, dass das jetzt nichts für Kinder sei. Und will doch ein Kinderfilm sein. Oder das erigierte Glied eins Tieres und dann werden die Tierkinder, die damit spielen wollen, angefaucht, das sei ein sehr sensibles Teil und nichts für sie.
Der Mensch will die Schlagseite der Anthropozentrierung der Sicht auf die Tiere ausgleichen, indem er eben nicht Menschen, sondern die Erdmännchen, die das Tierreich beobachten aus ihrer – leider nur allzu anthropozentrischen – Sicht erzählen lassen.
Vermutlich ist hier viel Goodwill zur Wahrung der Schöpfung und des Planeten ungeschicktem Handwerk zum Opfer gefallen. Es gibt auch Sprüche, die sind einfach daneben: „Augen auf oder Brille drauf“ als Kommentar zu einem Geparden, der eine Beute sieht, oder: „Das sollte verboten werden und sowas will Boss sein“, wenn ein Tier auf Jagd geht, oder gar, dass Löwen Schweine seien (wenn sie einen Büffel jagen). Man könnte den Film vielleicht auch sehen als ein Versuch der Einführung antiautoritärer Vernunft in die freie Natur.