Gemeinsam nüchtern

Gemeinschaft

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, das ist so eine Standardphilosophie über den Menschen. Und wenn er allein ist oder sich allein fühlt, so kann das zu Verzweiflungen und Verzweiflungstaten führen. Eine Variante sind Süchte, Drogen und der Missbrauch. Manche Menschen wollen therapiert werden davon. Uns so gibt es jede Menge Einrichtungen, die sich darauf spezialisiert haben.

Eine dieser Einrichtungen ist der Hof Fleckenbühl in der Nähe von Marburg. Ein ausladendes, elegantes Gehöft mit Landwirtschaft, 120 Bewohnern, davon 111, die von der Sucht sich losgesagt haben.

Über die Details des Geschäftsmodells ist in dieser Dokumentation von Fabian Schmalenbachg nur Bruchstückhaftes zu erfahren. Es scheint ein Landwirtschaftsbetrieb zu sein, der sein Geld mit Milch- und anderen Landwirtschaftsprodukten verdient, auch mit einem Café, das recht günstig scheint, 1.50 Euro. Das Regiment ist ein strenges, gefängnisähnlich für diejenigen, die neu eintreten. Sie müssen alles abgeben, vor allem Mobilphone, auch ihr Geld werde eingezogen, auf Nimmerwiedersehen.

Die Bezahlung sei lächerlich wenig, irgendwie um die 10 Euro im Monat nebst Kost und Logis. Sie müssen strenge Regeln befolgen und 8 Stunden am Tag im Betrieb arbeiten. Sie können aber auch Fortbildungen machen, Gabelstaplerschein als Beispiel.

Der Dokumentarist schneidet seinen Film zusammen aus direkten Beobachtungen, dem quasi unsichtbaren Dabeisein mit Kamera und Mikro, mit Statements seiner Protagonisten als Tonaufnahmen über den Bildern vom Alltag auf dem Hof und aus Fotos und Drohnenaufnahmen des stattlichen Anwesens.

Es sind klare Machtstrukturen installiert. Nach einem extrem harten ersten Halbjahr ohne Kontakt zur Außenwelt, die Post wird kontrolliert, und ohne Ausgangserlaubnis, gibt es Lockerungen.

Immer wieder gibt es Gruppengespräche, in welchen in „Spielen“ problematische Situationen diskutiert werden, auch Kamingespräche, bei denen Einzelne ihren Weg zur Sucht schildern.

Es ergibt sich das Bild einer Gemeinschaft, in der der Einzelne sich aufgehoben fühlen kann. Ähnliches war zu sehen in Auf der Adamant oder in Irre oder der Hahn ist tot. Hier sind es allerdings Tagesstätten für psychiatrische Patienten.

Auf Fleckenbühl wird moniert, dass es an therapeutischer Analyse fehle. Andererseits sind lobende Erwähnungen drin, muss ja wohl auch sein, wenn der Dokumentarist über ein Jahr lang Gastrecht genießt.

Einige Protagonisten kristallisieren sich als dominierend heraus. Dürfte gar nicht leicht sein, unter 111 Menschen welche zu finden, die frei über ihre Probleme reden und die nicht gleichzeitig das gewisse Show-Gen haben. Die vorherrschende Angst besonders im Falle des Verlassens des Hofes, ist diejenige vor dem Rückfall. Der Film verzichtet auf eine Statistik.

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