Große Filmkunst
ist das eher nicht, mehr ein Zusammengestöpsele von Cast und Szenen und Dialogen und ungeschickter Schauspielerführung, ein Wunder dass am Schluss doch noch der Geist der Freundschaft und wie wertvoll Freundschaft ist nach Erich Kästner durchschimmert, unlädiert fast erhalten bleibt in dieser Inszenierung von Carolina Hellsgard nach dem Drehbuch von Gerrit Hermans.
Der Bewohner eines Wohnwagens (der Darsteller dieser Figur ist leider aus den Angaben bei IMDb nicht identifizierbar) in der Nähe des Johann-Sigmund-Gymnasiums ist offenbar der Ich-Erzähler, der auktoriale Erzähler, der viel mehr weiß, als er eigentlich wissen kann; drehbuchmäßig ist das vor allem für Unklarheiten und Verwirrung gut.
Diese Hauptfigur, um die sich das zentrale Thema der Freundschaft rankt, kommt erst nach vielem, recht beliebig erscheinendem Vorgeplänkel ins Spiel.
Der Film fängt in einer Stadt an bei einer berufstätigen, alleinerziehenden Mutter (Jördis Triebel) mit zwei Kindern, Martina (Leni Deschner) und ein kleiner Bruder. Martina wird zur unentbehrlichen Stütze im nicht gerade begüterten Haushalt. Sie hat sich für ein Stipendium an einem Internat beworben. Der kleine Bruder hängt an der Schwester und möchte nicht, dass sie weggeht. Sie verspricht, wiederzukommen und dann mit ihm und der Mutter zum Urlaub ans Meer zu fahren.
Martina fährt also in die Alpen und wird dort gleich konfrontiert mit einem Problem des Gymnasiums, dass es hier zwei verfeindete Gruppen gibt, die Internen und die Externen. Als Interne teilt Martina das Zimmer mit Jo (Lovena Börschmann). Allzusehr interessiert sich der Film nicht für eine hier eventuell enstehende Freundschaft.
Der Film schlingert jetzt zwischen verschiedenen Themen aus dem Gymnasium hin und her, Skate fahren, Räume, die nur von den Externen benutzt werden dürfen. Lehrerfiguren werden eingeführt, Tom Schilling als Justus Bökh, der hochanständig der Versuchung der dümmlichen Darstellung des Paukers widersteht im Gegensatz zu Hannah Herzsprung, die sogar die Direktorin der Schule sei und die sich als besonderen Gag für ihre Rolle das Tippen an die Brille ausgedacht hat – manchmal vergisst sie es auch.
Ein weiteres Thema ist die Theateraufführung zum Semesterende. Die bleibt an wenigen Internen hängen, dabei Martina und Joe. Und jetzt endlich nach all dem Kuddelmuddel und nachdem die Kids sich auch noch entschieden haben, statt des Theaters einen Film zum Stück „Das fliegende Klassenzimmer“ zu drehen, kommt die Location, der bunte Wohnwagen, und damit dessen Bewohner und der auktoriale Erzähler des Filmes ins Spiel. Man könnte soweit von einem Totalversagen von Drehbuch- und Lektorenabteilung sprechen.
Jetzt endlich kommt die Geschichte auf, um die es geht, die ehemalige Freundschaft zwischen Wohnwagenbewohner, Musiker und Arzt zugleich, und dem Schullehrer Justus Bökh. Warum es einfach machen, wenn es auch kompliziert geht. Nein, das ist kein Kinospaß, auch wenn am Ende der Kästner irgendwie unversehrt daraus hervorgeht.