Blue Jean

Jeans (Rosy McEwen) Leben plätschert so dahin. Haare färben, Essen anrichten, Sportunterricht an der Schule geben, Netball.

In der Freizeit geht Jean in die Gay Disco. Hier geht die Post ab. Sie hat ein Verhältnis mit der herben Lesbe Vivi (Kerrie Hayes). Jean trennt die berufliche und die private Welt fein säuberlich, behandelt in ihrer Berufswelt ihr Lesbentum mit Diskretion, während ihre Freundin Vivi mit ihrem Lesbentum nicht hinterm Berg hält. Jeans Zivilstand ist „geschieden“, falls entsprechende Fragen auftauchen.

Es ist die homophobe Thatcher Ära; gerade ist politisch der Paragraph 28 des Gesetzes zur Kommunalverwaltung höchst umstritten; er soll die Gemeinden daran hindern, Homosexualität zu fördern. Die gesellschaftlich-politische Grundstimmung ist homophob und wenn bei Jean es zu einem Zusammentreffen ihrer beiden Welten kommt, so kann schnell die Kacke am Dampfen sein, können wie ein Gewitter aus heiterem Himmel brutale Konflitke entstehen.

Wenn Jean zum Beispiel mit Vivi bei sich zu Hause rummacht und eine Verwandte klingelt und ihr Kind zum Hüten bringen will. Dann muss Vivi nullkommaplötzlich verschwinden.

Noch delikater und explosiver wird es, wenn Jean in einer Szene-Disco einer ihrer Schülerinnen begegnet, Lois (Lucy Halliday). Da gerät sie in eine heikle Situation.

Georgia Oakley, Regisseurin und Drehbuchautorin, erzählt diese Geschichte mit hoher Beiläufigkeit, exzellenter Besetzung und ganz genauer Beobachtung der Figuren und der Nuancen, wie sie miteinander umgehen, wie sie das Thema von kleinen unmerklichen Reaktionen bis zum offenen Mobbing angehen.

Der Musikmantel über der Geschichte gibt ihr zusätzlich eine wunderbare Melo-Emotionalität. Besonders fies kommt das bei Schulleiterin Debbie (Amy Booth-Steel) zum Ausdruck, wie die sich die Wahrheit nach ihren Maßstäben zurechtrückt. Und soll keiner glauben, der Film sei museal und erzähle von einer längst vergangenen, fernen Welt, die Homobphobie ist es nicht, auch wenn die Gesetzgebung inzwischen fortschrittlicher ist.

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