Das Nonnenrennen

Edelweiß oder Gänseblümchen
Klamotte mit ungeschickten Nonnen

Hier wird so übetrieben gespielt, wie Hamlet in seiner Rede an die Schauspieler meint, dass sie nicht spielen sollten („Ich habe Schauspieler spielen sehen, die so stolzierten und blökten…“). Eher die billige Art der Veräppelung von Ordensschwestern.

Man wundert sich, dass so ein Film heute überhaupt gemacht wird, ok, in Frankreich – hm, noch verwunderlicher, also am meisten verwundert, was ein Verleiher sich von diesem Film in Deutschland verspricht, wo die katholische Kirche mit einer Fülle von Skandalen und mit grassierendem Mitgliederschwund konfrontiert ist. Wer sollte also noch das Bedürfnis haben, sich so billig über die Kirche lustig zu machen.

Nonnen, die früher sündige Mädchen waren oder uralt sind, die nach der Regel des Benedikt leben, wollen das „Altenheim zu den drei Pappeln“ renovieren. Es ist in einem erbärmlichen Zustand – unglauwürdig übertrieben dargestellt.

Um Geld aufzutreiben, wollen sie an einem Radbergrennen teilnehmen, bei dem es 25′ 000 Euro zu gewinnen gibt. Sie fangen an zu trainieren, stoßen aber auf eine Gruppe von Radprofis, gegen die sie keine Chance habe. Also spielen sie denen übel mit, schaffen es, diese von der Teilnahme am Bergrennen abzuhalten. Sie selbst erleben daraufhin Ähnliches mit einer anderen Nonnengruppe, die sich nicht um Bingo im Altenheim, sondern um entlassene Strafgefangene kümmert und die außerdem der Benediktinerinnen Gastrecht in Anspruch nehmen und die ebenfalls aus barmherzigen Gründen den Gewinn des Radrennens anpeilen.

Es ist schon erstaunlich, da setzen sich Menschen hin, es sind dies Dominique Abel, Fiona Gordon und Cécile Larripa, investieren Zeit und Energie darin, ein Drehbuch zu schreiben. Dann gibt es Produzenten, die Geld auftreiben, gewiss nicht so wenig, die eine Produktion auf die Beine stellen und die Laurent Tirard (Meine Schwester, ihre Hochzeit und ich) mit der Regie beauftragen.

Es werden Locations gebucht, Eric Blanckaert als Kameramann engagiert, Darsteller erhalten Verträge, Kostüme, ein Mathieu Lamboley schustert eine möglichst leicht wirken sollende Musik zusammen.

Anne-Sophie Bion und Sahra Mekii versuchen nach dem Dreh, die Ausbeute der Bilder in einer plausiblen Reihenfolge zusammenzustellen.

Kurz. Es wird enorm viel Energie, Zeit und Geld in so eine Filmproduktion reingesteckt, die die Mitarbeiter teils über Wochen beschäftigt, die da und dort öffentlichen Raum requiriert, die sich dann in den Medienapparat begibt und das Resultat vermarkten will und schließlich sollen die 87 Filmminuten im Kino landen und Zuschauer anziehen, man will Geld damit verdienen, auch in Deutschland, mit einem Produkt, von dem zu fragen ist, wo da die Zuschauer herkommen sollen, weil es so bescheidenen Geistes ist, von dermaßen plumper Machart, von so billiger Belustigung über das Nonnentum, wie man es heutzutage nicht mehr für möglich hält in einem aufgeklärten Europa.

Allerdings, wenn man bedenkt mit wieviel Einsatz und Aufwand die Menschen die Natur zerstören, dagegen ist so ein kleines Nonnen-Malheur in der kleinen Kinowelt also wirklich nur eine lässliche Sünde, die immerhin versucht, eine Message von Versöhnlichkeit, wenn auch linkisch verpackt, auf die Leinwand zu bringen.

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