Alaska

Ein Erbstreit

– es sieht halt aus, wie nach Rezept, wie gelernt, wie man es macht…
das mit den langen Stellen ohne Dialog, mit der langen Einführung der Protagonistin Kerstin (Christina Große), die sich mit dem Boot auf den Weg macht, die sich auf einem Campingplatz einrichtet, der Paddel-Tagestouren anbietet, wie die erste halbe Stunde Dialog praktisch nur wie Beifanggeräusche eingesetzt wird, Wortfetzen, Wortwolken, Dialogfetzen als eine Art Hintergrundrauschen, wie dann erste Begegnungen und Gespräche stattfinden, eine Art Freundschaft zwischen Kerstin und Alima (Pegah Ferydoni) entsteht, wie die Info in den Film gebracht wird, dass Kerstin etwas verübt hat, dass sie von einer Familie, dem Maler (Karsten Antonio Mielke) mit Frau und Sohn, gesucht wird.

Wie dann erste Action entsteht, wie der Vater handgreiflich werden will, es eine Schlägerei setzt, der Alte ein blaues Auge davon trägt, Thomas heißt er, er ist wohl der Bruder der Protagonistin, die inzwischen auf einen anderen Campingplatz abgehauen ist, aber seine Frau ist besorgt, ob die Wunde versorgt werden muss (das hört sich exakt nach Drehbuchwerkstatt an).

Bis zu diesem Infostand ist eine Stunde vorbei in diesem schön extensiv erzählten Film von Max Gleschinski.

Ein Mittel der bewussten Kunst scheint hier das Nuscheln zu sein, wie gerne auch bei Dominik Graf; das erhöht tatsächlich die Glaubwürdigkeit, erschwert aber mitunter ganz schön das Verständnis, gerade wenn eine wichtige Info, zum Beispiel was Kerstin angestellt haben soll, kaum zu verstehen ist – wenn man den Film am Screener schaut, hat es den Vorteil, dass man zurückspulen kann, Kerstin hat jene Familie mit dem jungen Mann (Sören?) betrogen, sie, diese fremde Frau, „schuldet dir Geld, das ist alles“ – da geht es dann doch um einen merkwürdig oberflächlichen Tatbestand, der wohl kaum rechtfertigt, dass ihr Kajak durchsucht wird.

Wichtige Info- und Erklärtexte über den Erbstreit gehen praktisch in lauter Diskomusik unter.

Ein Paddelfilm, er lässt an „Kurs Südwest“ denken; bei dem ist mit dem Paddeln doch einiges verbunden, sich zu bestätigen; hier wird es am Schluss erst erklärt, ist aber nur schwer zu verstehen; es hängt mit dem Tod des Vaters zusammen; aber da hätte man wohl doch eine klitzekleine Info darüber gebraucht, was dieser Vater für die Tochter bedeutet hat.

Der Hintergrund der Familiengeschichte, die in diesem extensiv voll schöner Naturbilder erzählten Film eine Rolle spielt, bleibt im Rätselbereich; ok, eine Schreinerei spielt eine Rolle; aber auch die kommt physisch nicht vor; es scheint hier die Kunst der Andeutung definitiv zu weit getrieben zu sein. Auch was der angedeutete DDR-Hintergrund soll, bleibt schleierhaft; so sympathisch und gewinnend die verhaltene Erzählweise auch sein mag.

Die Intention scheint die einer Familienaufarbeitungsgeschichte zu sein, die auch darunter leidet, dass es offenbar nur um Geld geht. Zur Symbolik für die Erblast wird die Erzählung, dass der Vater Aale mit bloßen Händen gefangen habe und Vaters Traum von der Kajak-Reise den Yukon entlang bis ins Mering-Meer, was den Zirkelschluss zum Geistdrüberstreuer Erdrotation ermöglicht oder wie der Running Gag vom „es regnet in 3, 2, 1“….

Etwas spannender ist vielleicht die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Kerstin und Alima.

Die Kapiteltitelungen sind wenig hilfreich: die Tochter, das Feuerwerk, der Fensterbauer, der Ort

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