„Ein Stück Schweizer Kulturgeschichte“,
heißt es im Abspann dieses schnell montierten abrisshaften Biopics über den Schweizer Fotografen Arnold Odermatt, das einerseits wie ein persönlicher Nachruf, mehr aber noch als ein Amuse Geule auf das spektakuläre Werk des Fotografen wirkt; es drängt einen nach Sichtung des halbstündigen Filmes, mehr zu sehen von den Odermatt-Fotografien.
Jasmin Morgan skizziert in persönlichen Eindrücken den unglaublichen Weg Arnold Odermatts vom Innerschweizer Polizeifotografen in die internationalen Kunsttempel. 40 Jahre lang hat Odermatt als Polizist die Folgen von Verkehrsunfällen im Kanton Nidwalden fotografiert (mit Alkohol als einem der übelsten Verursacher, wie er meint; er selbst galt als Teebub).
Arnold Odermatt brauchte das Spektakuläre nicht inszenieren wie Helmut Newton, ihm wurde das Spektakuläre im Beruf serviert. Er fotografierte nicht die Opfer von Verkehrsunfällen, sondern die durch Unfälle entstellten Autos. Die waren in den 50er und 60er Jahren extrem verbiegbar und Verkehrstote gab es damals in dem engen Bergkanton noch alle drei Monate.
Es handelte sich dabei um dokumentarische Polizeiarbeit. Die wurde Grundlage und Basis von Odermatts fotografischem Schaffen, das sich mit seiner Rolleiflex schnell über das polizeiberufliche Interesse hinaus auf das Leben in Nidwalden ausweitete genau so wie auf sein Interesse am Selbstporträt.
Durch die Polizeiarbeit gab es strenge Kriterien an die Fotografie. Die Bilder von Verkehrsunfällen waren wichtig für die Gerichte. Sie sollten also möglichst aussagekräftig sein. Hinzu kam Odermatts Gewissenhaftigkeit, der kein Material verschwenden wollte, also der Maxime des „One-Take“s folgte. Einmal Abdrücken musste genügen.
Der Prophet gilt nichts im eigenen Vaterland. Jahrelang hat sich in Stans, seinem Heimatort, niemand für ihn als Fotografen interessiert. Erst wie sein Sohn Urs Odermatt den Film Wachtmeister Studer vorbereitete, sei er auf das Archiv seines Vaters gestoßen. Das ebnete den Weg in die internationale Kunstwelt.
Die Filmemacherin Jasmin Morgan ist mit dem Sohn von Arnold Odermatt liiert und begleitete den Fotografen über einen Zeitraum von 15 Jahren auf dem Wege des internationalen Erfolges. Sie sieht ihren Film als einen ungeplanten Tagebuchfilm.
Die Dokumentation ist jetzt als DVD erhältlich bei The Odermatt Shop. Im Beiheft gibt es ein ausführliches Interview mit Arnold Odermatt, das gespickt ist mit Anekdoten und Berufsgeheimnissen des weltberühmten Fotografen. Als rein privat wirkende Zugabe enthält die DVD die Trauerfeier für Odermatt, die mit Footage aus dem Werk Odermatts und aus seiner Heimat unterschnitten ist.