Auf Durchreise
Robert McCall (Denzel Washington) ist nur auf der Durchreise in Altamonte, einer irre malerischen süditalienischen Stadt an steilem Berghang wie am Meer, wie wir sie so noch nicht grad im Kino gesehen haben. Nun, so ganz stimmt das nicht, das erzählt er seiner lokalen Umgebung, in der er unversehens landet dank einiger Wendungen des Drehbuches von Richard Wenk, Michael Sloan und Richard Lindheim.
Regisseur Antoine Fuqua fängt seinen Film wunderbar langsam, genusslangsam wie zügig geschnitten und leise wie einen Spaghetti-Western an.
Denzel Washington als die faszinierende Hauptfigur bekommt einen langen roten Teppich als Entrée in den Film ausgerollt mit einer ruhigen Autofahrt eines Mannes mit einem faszinierenden Gesicht (Bruno Bilotta) und behutsam schauend, neben sich einen wunderbaren Jungen (Adriano Sabrie).
Die Fahrt endet in einem herrschaftlichen Weingut. Der Weg in dessen innerste Räume ist gepflastert mit Leichen, die sind eh ruhig und leise. Und dann, am Ende dieses Heranführweges findet sich der Protagonist in einer Situation, aus der er nur mit gekonntester, wassserdichter Profi-Action rauskommt.
Er wird dann aber, was doch verwunderlich ist bei so einer Filmfigur, die immer alles voraussieht und berechnet und dem Gegner generell einen Handkantenschlag voraus ist, einen Fehler machen, nicht allzu schwerwiegend, aber eine Verletzung trägt er davon, ein Projektil im Rücken.
McCall scheint Schutzengel in dem Städtchen zu haben, denn er findet sich wieder bei Enzo (Remo Girone), der ihn in seinen Privaträumlichkeiten medizinisch versorgt und ihm auch einen Stock besorgt, ein immer dankbares Requisit für einen Schauspieler.
Stimmungsvoll beschreibt der Film nun, wie der Mann „auf Durchreise“ sich anschickt, zu bleiben, sich mit den Dingen vor Ort vertraut zu machen; auch wenn er unbedingt Tee und nicht Cappuccino trinkt inklusive Papierserviettentick. Wie er so auch gezwungenermassen schnell mit der Comorra in Kontakt kommt, den Faden, der zu üblen Verbrechern, die vor nichts zurückschrecken, verfolgt.
Aber es gibt auch gute Leute am Ort und spätestens, wenn Robert McCall Emma Collins (Dakota Fanning) vom CIA, anruft, ist klar, für wen er arbeitet. So schön und sorgfältig das alles geschildert ist, wird die Erzählung doch zusehends schematisch; aber was will man von einem Equalizer sonst erwarten. Er kann dann doch wohl auch nicht anders. Ein Equalizer kann nicht aus seiner Haut, und wenn er noch so schöne schauspielerische „private Moments“ hat und die Stimmung im Film momentweise an Nostalgia erinnert.