L‘ Immensità – Meine fantastische Mutter

Top-In-Thema in nostalgischem Neorealismo

Perfekter kann man wohl die Neorealismo-Stimmung im Kino nicht wieder hervorzaubern als Emanuele Crialese, der mit Francesca Manieri und Vittorio Moroni auch das Drehbuch geschrieben hat, es hier im Film tut.

Allein Penelope Cruz als Kinoschönheit wie einsten eine Gina Lollobrigida. Sie ist die Mutter dreier Kinder und längst nicht mehr glücklich verheiratet mit Felice (Vincenzo Amato), der vielleicht etwas arg als Dumpfbolz gezeichnet ist, der seine Sekretärin Maria (India Santella) schwängert.

Es ist fast wie ein Naturgesetz, im Leben wie im Kino, dass die Pubertät der Kinder Ehekrisen auslöst. Hier erlebt Adriana (Luana Giuliani) ihr Coming-of-Age, was mit dem starken Wunsch verbunden ist, ein Junge zu sein. Sie wird eingeführt, wie sie auf dem Dach mit Wäscheseilen ein Pentragramm spannt für magische Beschwörungen.

Neben dem nicht allzu deutlich identifizierbaren Wohnhaus der Eltern ist ein Schilf mit labyrinthischen Wegen. Hier dringen Adri und ihre beiden kleineren Geschwister ein. Jenseits ist eine Zigeunersiedlung am Rande von Neu- und Rohbaugebieten, wie so gerne im Neorealismus gezeigt.

Der Film dürfte in den 70ern spielen, zu schließen von Shows, die die Familie am TV schaut.

Bei den Zigeunern lernt Adri Sara (Penélope Nieto Conti) kennen und schließt sie ins Herz. Die beiden werden auch erste, unschuldige Küsse teilen, aber die Szene zwischen den beiden mit der Rose, die ist noch schöner, einmaliger, überraschend wie so vieles hier.

Allerdings streut der Film die Entwicklungen von Adri nur sporadisch mitten in die pralle Schilderung italienischen Familienlebens, Weihnachten, Kirche, Festessen bei der offenbar wohlhabenden Oma.

Wenn Papa nicht zuhause ist, kann es zwischen Mama und den Kindern auch zu richtiggehenden Tanzexzessen nach dem Vorbild der Fernsehshows kommen.

Crialese verpackt das top-in- Transthema, wozu es zur Zeit ständig neue Filme gibt: von 20′ 000 Arten von Bienen bis Oskars Kleid und Violeta bruchsicher in diese Schilderung, verzichtet weitgehend auf TV-Realismus und schickt die Mutter für einige Zeit in eine vornehme Nervenheilanstalt.

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