Der tote Zirkus
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: der Zirkus „Rio Artistik“ ist alles andere als ein toter Zirkus, der ist ein hinreißend moderner Zirkus mit langer Tradition und garantiert ohne Misshandlung von Tieren, weil es hier allein um faszinierende Artistik geht. Das zeigen die letzten paar Minuten dieser Fernsehproduktion.
„Rio Artistik“ ist ein Zirkus, der es vermag, dem heutigen Internet- und Social-Media-Menschen ein ursprüngliches Erlebnis zu verschaffen – und der selbst mit den Medien arbeitet.
Da ist bereits fast die Hälfte dieses Filmes von Ekki Wetzel nach einer Idee von Torsten Berg und Thorsten Berrar unter redaktioneller Betreuung von Julia Krampe und Iris Messow-Ludwig, sowie Ingmar Grundman (Redaktionsleitung BR) vorbei: ein Film, dröge wie eine Ballettstunde: über 90 Prozent der Zeit werden die Muskeln der Tänzer aufgewärmt, damit diese in den letzten paar Minuten noch ein paar aufregende Sprünge hinlegen.
Die Idee ist sicher ehrenwert, einem solchen Familienzirkus Fernsehpublizität zu verschaffen, indem man die beiden Eberhofer-Stars Sebastian Bezzel und Simon Schwarz in Aichach in der Fußgängerzone Flyer verteilen lässt mit dem Versprechen eines Auftrittes im Programm.
Wobei es eher unglaubwürdig wirkt, dass sie so wenig Aufsehen erregen, wie hier gezeigt. Aber vielleicht ist ihre beste Zeit eh schon vorbei.
Die Erzählung von Ekki Wetzel jedenfalls erweckt anfangs den Eindruck eines tristen Einmannbetriebes fernab jeglicher Magie der Manege.
Der Fernsehfilm schafft es doch tatsächlich, zuerst das Bild eines Einpersonen-Zirkus entstehen zu lassen. Alles ist leer. Der junge Direktor ist weit und breit der einzige Mensch. Dieser deprimierende Eindruck wird noch verstärkt durch dessen Aussage, dass er imstande sei, das Zelt allein aufzustellen.
Erst dann kommt eine zweite Person dazu, dessen Mutter, die Zuckerwattenverkäuferin. So geht es einsam weiter, eine Figur nach der anderen wird mit steif einstudierten Dialogen vorgestellt. 20 Minuten von etwas über 40 sind vorbei, bis überhaupt die ersten antörnenden Zirkusbilder aus den Social Media über den Bildschirm flimmern.
So langweilig und abtörnend dürfte kaum je über einen Zirkus berichtet worden sein. Dafür blechen wir mit Zwangsgebührengeldern –
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!