20′ 000 Arten von Bienen

Aitor? Lucia!
Präfeminismus

Im Film Feminism WTM, der auf dem DOK.fest 2023 lief, geht es darum zu zeigen, dass es nicht nur Mann, Mann oder Frau, Frau gibt, sondern unendlich fließende Übergänge und dass das Schubladendenken nur dies oder das lediglich ein Herrschaftsdokument des Kapitalismus sei.

In Feminism WTM gibt es eine Szene, die diese Behauptung künstlerisch auf die Ausformung der Geschlechtsorgange ausweitet und ein breites Feld an Übergängen präsentiert.

Im Film von Estibaliz Urresola Solaguren ist es die 8-jährige Sofia Otero, die einen Buben spielt, der sich als Mädchen sieht, nicht Aitor will er sein, sondern Cocó oder noch lieber: Lucia. Darauf kommt sie nach einer Betrachtung eines Gemäldes über die heilige Luzia in einer Kapelle.

Lucia verreist mit Mutter Ane (Patricia López Arnaiz) in den Sommerferien für ein paar Tage in den Herkunftsort der Mutter im Baskenland. Hier war der Opa Bildhauer. Hier gibt es ein Atelier. Hier will Ane auch künstlerisch arbeiten und sich für eine Dozentenstelle bewerben. Hier auf dem Land ist es vor allem eine Welt der Frauen der verschiedenen Generationen, Omas, Nachbarinnen, Tanten. Hier war Oma und auch die Uroma Imkerin, hier gibt es Bienenstöcke.

Auch die Bienen werden für einen Vergleich herbeigezogen, es gilt nicht nur Biene gleich Biene, es gibt über 20.000 Arten davon. Es ist ein Sommerfilm, Sonne, Licht, Natur pur, ein Tümpel, ein Wasserfall, Felsen, begrünte Hügel. Nur einmal regnet es, wie bei Einkäufen in der Stadt Lucias Weiblichkeitswunsch Krach auslöst.

Es ist ein Film wie Alcarrás, der das Leben Leben sein und ganz nebenbei die Dramen in kleinen Häppchen passieren lässt. Oder wie Fridas Sommer, der von der Machart her genau so zauberhaft und beschwingt ist, lediglich mit einem thematischen Unterschied.

Nicht ganz so leicht präsentiert der deutsche Film Oskars Kleid das Thema: das muss gleich fett in den Titel; deutlich differenzierter wiederum geht der spanische Film Mein Name ist Violeta vor.

Ein anderes schönes Symbol für die Lage von Lucia ist die Darstellung einer Reihe von Sylphiden, einem Werk des Opas. Das wird hier allerdings zu einer eher unrühmlichen Tat verwendet, während der Werkstoff Wachs wiederum ein wunderschönes Beispiel für Veränderungs- und Verwandlungmöglichkeit darstellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert