Die stillen Trabanten (DVD)

Kleine Glücke
Poesie der Verlorenheit

Vielleicht sind es Menschen, die die Welt zwar nicht verändern, die sie aber am Laufen halten. Wen sie politisch wählen wissen wir nicht, erfahren wir nicht.

Es ist der Grill-Betreiber Jens (Albrecht Schuch), die Bahnreinigungskraft Christa (Martina Gedeck), die Frisöse Birgitt (Nastassja Kinski), die Muslima mit Selbstvorwürfen Aischa (Lilith Stangenberg), der Wachtmann Erik (Charly Hübner).

Wobei es vielleicht verwundert, dass ein selbstständiger Unternehmer wie Jens in einem gesichtslosen Plattenbau wohnt. Er ist dort Nachbar von Hamed (Axel Bencherif), mit dem er befreundet ist und mit dessen Frau Aischa er auf dem Balkon ihrer Etage raucht und über die Trabanten am Horizont philosophiert, er soll aber auch die Moschee besuchen.

Der Wachtmann Erik trifft bei seinen Touren mit Wachthund um ein Asyllager die Ukrainerin Marika (Irina Starsehnbaum) im Offiziersmantel, die ihn als Herr Offizier anspricht. Sie löst in ihm erotische Sehnsüchte aus.

Durch einsame Gespräche in einer Bahnhofskneipe kommen sich Birgit und Christa näher, während Aischa in einer emotionalen Krise von Jens aufgenommen wird, pikant.

Thomas Stuber, der mit Clemens Meyer auch das Drehbuch nach dessen Erzählband geschrieben hat, schildert anfangs diese verlorenen, menschlichen Verhältnissen mit einer Topriege an Darstellern in der Art jener Ärmlichkeit, die wir von der Sternthaler-Geschichte her kennen. Menschen, die nichts haben außer dem Bedürfnis nach einem kleinen Glück. Menschen, die nicht glauben, für das Laufen der Welt zuständig zu sein, Menschen, die nicht glauben, dass ohne sie die Welt zusammenkracht.

Vielleicht sind es jene Menschen, von denen die Politik annimmt, dass wenn sie ihr Poulet auf dem Tisch haben, zufrieden sind. Es können aber auch jene Menschen sein, die bereitwillig einem Streikaufruf der Bahngewerkschaft folgen würden.

Thomas Stuber verzichtet wohltuend auf Erklärungen, er konzentriert sich ganz darauf, diesen Ausfaserbereich der Gesellschaft mit großartigen Darstellern packend und anrührend zu schildern. Dazu setzt er in wenigen Momenten auch die Natur ein.

Ränder der menschlichen Gesellschaft, Nicht-Orte, Randpoesie oder Randromantizismus. Ein Film auf der Suche nach Fragmenten von Restmenschlichkeit, Toleranz und Liebe in einer ultramodernen, durchorganisierten, immer mehr von KI und Internet bestimmten Gesellschaft; kein Wunder, dass Autor und Filmemacher in den Randbezirken glauben, fündig zu werden, bei den stillen Trabanten.

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