Lebenslinien: Ein Tüftler rettet Leben (BR, Montag, 12. Juni 2023, 22.00 Uhr)

Zwei Geschichten

An diesen Lebenslinien sind zwei Geschichten, die besonders interessieren, und, die spannend zu erzählen, verlangt hätten, dass das Lebenslinien-Format für einmal seine Komfortzone (die Lebenslaufinfos, Familienfotos, Schule) verlassen hätte.

Es ist die Geschichte vom Verkehrszeichen „Vorsicht Toter Winkel“, das der Vater Ulrich Willburger nach dem Fahrradunfall seiner Tochter Trixi entwickelt hat und heute noch vertreibt. Dieser Geschichtsstrang schreit förmlich nach Recherche: wieviel solcher Unfälle passieren jedes Jahr, Radfahrer, die von LKWs überfahren werden, weil sie im toten Winkel neben ihnen an der Ampel stehen.

Und wie es kommt, dass in Deutschland dieser Spiegel, den der Familienvater und Unternehmer ganz nebenbei entwickelt hat, so wenig angewandt wird. Statistiken wären interessant: ob es an Ampeln mit Spiegel überhaupt noch zu Unfällen kommt. Auch da wäre eine Info über politische Bestrebungen oder Ablehnungen interessant. Auch Nachfrage beim Verkehrsminister, warum es offenbar keine Vorschrift gibt, diesen Spiegel anzuwenden.

Die zweite Geschichte, die zu erzählen dringend und nötig wäre, ist diejenige von Trixi: wie sie es schafft, von der Querschnittslähmung und entgegen aller Prognosen der Schulmedizin nebst dem ganzen Terror durch die Versicherungen wieder zu gehen. Auch das ein brennendes Thema, das hier viel zu kurz kommt.

Hier könnte auf den Film von Michael Scheyer über den Bergsteiger Thomas Lämmle hingewiesen werden Kilimandscharo – Diesmal auf Krücken. Da aber in diesen Lebenslinien von Elizaveta Snagovskaia unter redaktioneller Betreuung von Martin Kowalczyk beide Geschichten auf das Lebenslinien-Format zusammengestaucht werden, bleiben sie eigentümlich zahnlos, blass; quasi, wir wollen Lebenslinien erzählen und da waren nebenbei ganz interessante Befunde zu verzeichnen, die aber nicht einer intensiveren Betrachtung wert sind.

Da könnten sich die Lebenslinien ein Beispiel an ihren Protagonisten nehmen. Auch ist der Titel irreführend, Ulrich Willbürger kommt nicht als ein Tüftler, sondern als ein tatkräftiger, pragmatischer Mensch rüber und die zweite Geschichte findet überhaupt keinen Eingang in den Titel.

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