Too much
In den ersten sieben Minuten, die Ich-bin-schwanger-Nummer der Sankafahrerin Sarah Kant (Marta Kizyma), die neue Freundin ihres Kollegen Carlo Melchior (Timocin Ziegler), eine Frau mit blutigem Messser und Unbekannter in dieser Wohnung, ein Krankenwagenfahrer mit Beinverstauchen im Treppenhaus, ein Toter auf dem Asphalt und dann werden die Kripo und die Sanitätswagen auch noch verfolgt. Schnitt- und Stichwunden Notversorgung. Nach 30 Minuten hat es auch Melchior erwischt.
Warum ist es so schwierig, sich auf eine Sache zu beschränken, da man eh nur 90 Minuten hat, und die Sache dafür spannend und sorgfältig ausarbeiten?
Denn das war erst die Spitze des Chaoseisberges an Stories, die Martin Maurer nach einer Vorlage von Claus Cornelius Fischer ins Drehbuch gestöpselt hat, es kommt noch ein geheimes KI-Programm von BMW (im Baubeton soll eine Leiche entsorgt werden) und vor allem 9/11-Auslagerungen drängen ins Heute, scheinen in den heutigen Krimi hinein Macht zu haben, können Krankenwagen umleiten, können Patienteneinlieferungen ungeschehen machen, können Sanitätspersonal zur Verzweiflung und zur Paranoia treiben; was an Paranoia in einem Autorenhirn ihr Unwesen treibt.
Was kann die gute Sarah Kant dafür, dass sie offenbar diesen dunklen Machenschaften, die in einem 90-Minüter auch nicht ansatzweise zu erhellen sind, immer wieder über den Weg läuft. Es spielen Psychopharmaka und ausgehängte Türen eine Rolle und ein dunkler Wagen, der ständig andere verfolgt.
Die BR-Redakteure Claudia Simionescu und Tobias Schultze scheint das krude Drehbuch jedenfalls nicht abgehalten zu haben, die Zwangsgebührengelder für die Produktion locker zu machen. Ein typischer Fernsehkrimi von Autoren, die offenbar zu viele Krimis und zu wenig auf das Leben schauen.
Allgemein bedauert wird, dass Verena Altenberger als Kommissarin aufhört. Ihr kann man nur gratulieren dazu. Mit solch viel zu unsorgfältig entwickelten und schnell geschriebenen Drehbüchern wird sie sich nicht weiter profilieren können und zwischen ihr und Partner Stephan Zinner als Dennis Eden vibriert auch so herzlich rein gar nichts. Er ist als Routinier dargestellt, der seinen Job runternudelt, ohne sich groß was zu denken dabei.
Ein nettes Insert sind bei einem Stadtbild die Klimakleber.
Und auch der Toaster als Vision kurz vorm Sterben, der könnte einen gewinnen für diesen Polizeiruf sein, wenn sie denn nicht nur wie ein einmaliges Fantasieversehen rüberkäme.
Reiner Knurz dagegen, der originell sein will, ist, dass Sarah das Foltervideo ausgerechnet bei einem Kindergeburtstag anschauen will; da kann man sich nur an die Stirn langen.
Plumper Beziehungsknatsch zwischen Carlo, Kollegin (schwanger und Ex mit Schlüssel) und Carlos Neuer und Videotape: schwache Szene, schwach geschrieben, schwach inszeniert.
Man kann Vera Altenberger verstehen, dass sie keine Lust mehr hat, mit diesen drögen Typen weiterzuspielen.
Ansatzweise weiß die Szene zwischen Carlo und seiner Freundin, die von ihm nicht lassen kann, zu fesseln. Das wäre ein beobachtenswerter Vorgang.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!