Der Waldmacher (BR, Mittwoch, 7. Juni 2023, 22.45 Uhr)

Volker Schlöndorff, der unbekannte Afrikaaktivist

Sonja Scheider, BR/ARTE, Carlos Gerstenhauer BR, Matthias Leybrand, BR, und Catherine Le Goff, ARTE, gönnen Volker Schlöndorff auf Zwangsgebührenzahlers Kosten ein Rentner-Afrikareiselein bei gleichzeitigem Rentenzustupf.

Das hat teils groteske Folgen. Volker Schlöndorff ist zwar verdienter Oscar-Preisträger und Spielfilmregisseur aber weder anerkannter Afrika- noch Ökologiespezialist, schon gar nicht als Aktivist; auch ist sein Spezialgebiet der Spielfilm und nicht die Dokumentation.

Statt mit dem weißem Tropenhelm der christlichen Missionare läuft er in Afrika mit einem breitkrempigen schwarzen Hut herum, vor der Brust eine fette Kamera und lässt sich dabei filmen. Freiwilligkeit bei dieser Komik ist nicht ablesbar.

Ab und an erfährt der Zuschauer auch, wo man sich befindet, anfangs im Niger, dann mal in Äthiopien und irgenwann mal an einem Ort, an dem Punkt 6 Uhr die Nacht einbricht und es dann dunkel ist bis um 6 Uhr früh am nächsten Morgen. Da kann Schlöndorff Beifang sammeln, Kinder, die in dunkler Hütte Landkarten studieren.

Warum die öffentlich-rechtlichen Redakteure dem Filmemacher die Gelder freigegeben haben, kann nur vermutet werden, der Film selbst ist zu flatterhaft, als dass er als Begründung hinreichend wäre.

Tony Rinaudo ist das Stichwort, ein Baumaktivist, der in Afrika eine spezielle Methode zur Wiederaufforstung entwickelt hat, ausgehend von der Erkenntnis, dass im Boden abgeholzter Wälder noch massenhaft Wurzelwerk vorhanden ist, und man den Wald nur wieder wachsen lassen soll. Der ist zeitweilig der Protagonist.

Über Tony wiederum führt der Weg zu Richard St. Barbe Baker. Mit einem Zitat von ihm wird der Film pathetisch mit der großen Tragödinnen-Stimme von Angela Winkler eingeführt. Darauf folgt eine krude Schöpfungsgeschichte.

Musikalisch schlittert der Film auf der Tonspur ohne allzuviel Bezug zum Bild zwischen verschiedenen Genres.

Um irgendwie Ordnung in die Verwirrung von Bild und Text zu bringen, hat Volker Schlöndorff, es erinnert einen an einen verordenten Schulaufsatz, Zwischentitel erfunden, wie „Die Wiege der Menschheit“ (die stellt den Prolog dar; und der Epilog wird nicht fehlen, wird aber auch die fehlende Stringenz bei der Durchdringung des Topos nicht übertünchen können), „Rückkehr in den Niger“, „Der unterirdische Wald“, „Der Durchbruch“,…. „Die Saat geht auf“, „Die Armutsfalle“, „Auf Erden sollen viele Menschen sein“.

Es scheint Schlöndorff schlicht, bei aller Qualität seines Teilzeit-Protagonisten Tony Rinaudo, das Thema entglitten zu sein vor lauter Afrika-Begeisterung und auch der Begeisterung für die archaische Gläubigkeit; tja wie die Missionare; so kommt das einem vor.

So wundert es nicht, dass der BR die Aussendung dieses von ihm mitfinanzierten Filmes tief in die dunkle Nacht hineinverbannt, wo hoffentlich keiner mehr schaut, was die mit dem Zwangsgebührengeld so veranstalten.

Es gibt noch Beifang vom Projekt der großen grünen Mauer, über illegales Köhlern, über verheerende Buschbrände, über eine Brötchherstellerin und -verkäuferin, über einen armen Esel (welcher Esel kann sich glücklich schätzen, von einem waschechten Oskarpreisträger in einem Film bemitleidet zu werden, weil er täglich 100 Liter Wasser herbeischleppen muss?), über eine Büffelherde und einen Ziehbrunnen, eine Samensammelstadtion, Kurzfilme von Idriss Diabté, ein Schwenk zum Thema Hirse, über einen regnerierten Berg und den Segen von CO2-Zertifikaten, hin und wieder wirft Volker Schlöndorff ein paar Zahlen in seinen Text wie im Schulunterricht und über einen solchen wird ebenfalls berichtet

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