Liebe ist für viele Schafe schwerer als die schwerste Strafe.
Lange nicht einen so frischen und freien deutschen Film gesehen; dabei ist er gegen 35 Jahre alt, ist in Schwarz-Weiß, stammt aus einer Zeit ohne Internet, ohne Handys, scheint noch infiziert von der Freiheit der Filme der Beat-Generation, kurz vor der Wende in Deutschland, bei IMDb steht als Herkunfstsland: Westdeutschland.
Es scheint als hätte Monika Treut einfach drauflos gefilmt, ihrem Recherchemotto getreu, was ist Liebe, als hätte sie sich vom Thema treiben lassen, ohne vorgefasste Meinungen, ohne vorauseilenden Gehorsam Fernsehredakteuren oder Filmförderern gegenüber, obwohl der Film vom NDR gefördert wurde; aber offenbar nur gefördert ohne Dreinreden, sind ja zwei verschiedene Dinge.
Das macht der Film schmerzlich spürbar, wie heute in deutschen geförderten Filmen ständig spürbar ist, dass Redakteure dreinreden oder Redakteurinnen nach dem Mund gedreht wird.
Bei Monika Treut entsteht durch diese Offenheit der Methode ein wunderschön essayistischer Film, der vor illustrierenden Improvisationen keine Angst hat, der seine Protagonistin Dorothee Müller (Ina Blum) auf eine Forschungsreise schickt, erst in Hamburg, wo noch ihr Ex und Redakteur Heinz (Gad Klein) ist, wo sie ihren schwulen Stiefbruder Bruno (Marcelo Uriona) hat und wo sie von der Liebe träumt, von der romantischen Liebe, wo sie aber auch anfängt nachzuforschen, zu recherchieren. Von der wissenschaftlichen Seite her, von der Primatenforschung her, sie besucht aber auch einen Hormonberater (Peter Kern), der über Glücksgefühle schwadroniert.
Auf der Suche nach ihrer Mutter, die in San Francisco Stripperin war, landet sie im Westen der USA, hier gibt es viel über Liebe im Sinne von Fun und Geschäft zu entdecken. In Deutschland war vorher noch in einer Fernsehshow Ute Ranke-Heinemann zu hören, die sich über die Geschlechterverhältnisse äußert, ha, ha, dass die Frau der Topf sei, das Gefäß, in das der Mann spende oder wie auch immer.
In San Francisco lernt Dorothee Dominique (Dominique Gaspard) kennen, die sie einführt in das Nachtleben, in das Clubleben mit teils grotesk obszönen Show-Acts. Es soll Stripclubs für Frauen geben; es soll eine Pornographie für Frauen geben. Ein Dildo-Kunde kommt vor und Dorothee verliebt sich in Ramona (Shelly Mars) und erlebt eine Überraschung. Das macht vielleicht verständlich, warum es auch eine Therapie gegen romantische Liebe gibt.