Himbeeren mit Senf

Kindheitserinnerungen.

Die Erinnerungen von Meeri Ehrlich (Leni Deschner) an ihr Coming-of-Age in einer Bestatterfamilie in einem kleinen Ort namens Finkengrad wirken authentisch; allerdings werden sie durch die süßliche Musik, das weiche Licht und viele Lächeln in den Gesichtern netter dargestellt, als es ein reiner Realismus wohl zuließe.

Hauptsache, Ruth Olshan (Swimmingpool am Golan), die mit Heike Fink auch das Drehbuch geschrieben hat, sieht den harten Dingen ins Auge.

Für ein Coming-of-Age in Romantik kann die Herkunft aus einem Bestatterhaushalt eher hinderlich sein und es scheint ungewöhnlich, dass es noch Bestatter gibt, die die Leichen im Keller des eigenen Hauses einsargen und wohl auch aufbewahren. Dadurch haben die Kinder, Meeri hat noch den Bruder Luk (Benedikt Jenke), Zugang zu dem Keller, zu den Leichen, sie wissen, dass sie noch Töne von sich geben können.

Das ist nicht das einzige Erschwernis für das Heranwachsen von Meeri. Die Mutter ist gestorben und Vater arrangiert ständig neue Blind Dates, er möchte nicht allein leben und auch für seine Kinder wieder eine Mutter haben.

Mit der schwangeren Charlotte (Fabienne Elaine Hollwege) taucht erst mal eine Frau auf, die keine Berührungsangst mit Leichen hat. Sie stößt aber bei Meeri auf Ablehnung. Meeri ist total verliebt in Rocco (Jonas Kaufmann), so verliebt, dass sie fliegen kann. Nur Rocco ist nicht interessiert. Er unterrichtet Klettern an Seilgerüsten.

Vater Ernst (Luc Schiltz) versucht zwischen Charlotte und Meeri zu vermitteln, hat aber aktuell auch keinen Zugang zu seiner Tochter. Diese wiederum ist befreundet mit Klara (Sophie Zeniti), die, obwohl katholisch, ernsthaft Priesterin oder Theologin werden will.

Der Film schildert packend das soziale Gleichgewicht in dem überschaubaren Biotop. Es gibt noch Oma Grete (Inge Maux), bei der werden Senf und Konfitüren hergestellt, wie sie überhaupt eine Mittelpunkthaftigkeit ausübt.

Ein Trio von Dorfschlingeln wiederum mobbt Luk und schlägt ihn zusammen.

Es ist zu vermuten, dass Autobiographisches oder biographisch Beobachtetes, glaubwürdig Überliefertes die Grundlage für das Drehbuch bilden, und dass es sich nicht wie so oft bei deutschen Themenfilmen um reine Erfindungen von Personen handelt; zu genau sind die Entwicklungen, Konflikte und Lösungsversuche beobachtet. Es spricht für den Film, dass man am liebsten Szenen nacherzählen möchte, weil sie durch individuelle Einmaligkeit bestechen.

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