Tatort: Hackl (ARD, Sonntag, 12. März 2023, 20.15 Uhr)

Einfach gestrickt

Diesen Tatort dürfte sogar Lieschen Müller verstehen, der grenzt schon an eine Groschengeschichte im Reimsystem von „Erst der Hackl, dann der Dackl“.

Es gibt ein Verbrechen. Ein Motorradfahrer kommt zu Tode, weil er von einem Laserstrahl geblendet wird. Im Münchner Sozialviertel Hasenbergl. Es gibt zwei Tatverdächtige. Den alten Grantler und Streitsüchtigen, Hackl (Burghart Klaußner), und den Bruder des Opfers, Alex (Aaron Reitberger); ein Bruderzwistdrama? Der geneigte Zuschauer dürfte wissen, dass die meisten Morde Beziehungsdelikte sind; insofern suggeriert der Film hier ein exrem starkes Motiv, was er aber im weiteren Verlauf aus den Augen verliert.

Der Fernsehfilm von Katharina Bischof nach dem Drehbuch von Dagmar Gabler unter redaktioneller Obhut von Cornelius Conrad (eine Darstellerin heißt Carolin Conrad, verwandt oder verschwägert mit dem Redakteur? Ein weiterer Fall von Nepotismus bei den Öffentlich-Rechtlichen?) schwimmt undefiniert in einem vermuteten Hasenbergl-Milieu.

Zur Halbzeit wird ein dritter Verdächtiger eingeführt, ein Drohnenvoyeur, Jonas Mittermeier (Lorenzo Germeno), ein fett gestörter Teen.

Am dicksten legt der Fernsehfilm die Hackl-Fährte; da haut er, klischeehafter geht es nicht, mit dem prima Darsteller auf die Pauke, dank dem Schauspieler-Kaliber von Klaußner; eine Solo-Extravaganz.

Das Thema „verbotene Laser“ ist als solches ok, sollte aber vielleicht doch mit einer plausibleren Geschichte auf die öffentlich-rechtlichen Fernsehschirme gebracht werden, um das Zuschauerinteresse zu wecken. So eine – teils haarsträubende, wie die Auflösung zeigt – Groschenromanerfindung ist zu dünn für den Tatort-Sonntag-Abend-Anspruch.

Somit ist es fraglich, ob Lieschen Müller sich für den nicht so richtig im Senkel stehenden oft müde wirkenden TV-Realismus interessiert, der die Hasenbergl-Atmosphäre nur bedingt einfängt, der die beiden Kommissare anfangs wie zwei Staatspräsidenten auftreten lässt, auch den Kalle (Ferdinand Hofer) inszeniert er starlike.

Hinzu kommt das Opfer Adam, der vom BR in der Besetzungliste in der Presselounge nicht aufgeführt wird, der scheint ein Naturtalent von Filmstar zu sein; einzig er und sein Bruder Alex bringen das gewisse Hasenbergl-Etwas, wogegen der Rest des Ensembles subventionsschauspielerisch erfolglos, teils melodramatisch – als ob sie unter diesem Defizit leiden – ankämpft. Man sollte so ein Viertel, das sozialer Brennpunkt ist, in der tatortfilmischen Umsetzung schon ernst nehmen.

Burghardt Klaussner wirkt wie eine Staffage-Figur zur Ablenkung.

Einen Bruderzwist als Tatmotiv gegen einen notorischen Stänkerer in Konkurrenz zu bringen, scheint mir dramaturgisch unausgewogen, kann keine Spannung erzeugen und auch die dritte Figur, ein Coming-of-Age-gestresster Jonas mit wenig plausibel erzählter Story, die irgendwie vollkommen in der Luft hängt, hilft nicht, dem TV-Movie Attraktivität zu verschaffen.

Viel schlecht gefilmte melodramatische Pseudodramatik um Hackls Eskapaden.

Auflösung des Falles ist dürftig wie erklärungsbedürftig – und dürfte nichts, aber auch rein gar nichts mit den Hasenbergl-Realitäten zu tun haben. Weltfremd, am Rechner erfunden, schwach.

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